Meine Kenia-Chroniken: Die ganze Wahrheit und wie mich meine Reisen Stück für Stück verändert haben

Dieser Artikel ist Teil vom Projekt 360: Um die Welt, zu dir selbst. Danke, Igor, für diese tolle Idee!

Nach dem Abi und dem Jakobsweg stand fest: Nach der nächsten Reise wird studiert. Damit du einen guten Job findest und dann mehr reisen kannst.

Also brach ich auf – das erste Mal nach Kenia.

Das zweite Mal nach Afrika, weil ich schon in Südafrika gewesen bin. Der Plan war: fünf Monate Freiwilligenarbeit in einem Waisenhaus in Nairobi.

Nach zwei Monaten hatte ich genug von der Metropole, den Kindern und dem Gefühl, nicht wirklich nützlich zu sein. Darum verbrachte ich den Rest der Zeit als Freiwillige in Selbsthilfeprojekten, die mit Selbstversorgung und dem Schutz des Regenwaldes zu tun hatten.

Bei meiner ersten Rückkehr weinte ich im Auto meines Vaters, der mich vom Flughafen abholte. Ich merkte erst da, wie viel meine Reise mit mir gemacht hatte.

Als erstes erklärte ich meiner Familie, dass ich nicht gleich mit dem Studium beginnen wollte, sondern schon die nächste Reise im Kopf hatte. Dann erklärte ich ihnen, dass ich verlobt war. Und zwar mit einem Kenianer, den ich acht Monate später zum Weihnachtsbesuch nach Deutschland einladen wollte.

Es folgte eine Fahrradtour, mit der ich Spenden sammelte für ein kenianisches Projekt. Die Bekanntschaft mit WWOOFing und Permakultur. Und die schmerzhafte Erkenntnis, dass ich mich plötzlich vor meinen Freundinnen für meine Ansichten rechtfertigen musste.

Meine erste Reise nach Kenia hatte aus einer neugierigen Abiturientin eine gebundene Reise-Verrückte gemacht.

Nach dem geglückten Weihnachtsbesuch meines Verlobten flogen wir zusammen zurück, um die gesammelten Spenden bei einem Work Camp einzusetzen. Ich wurde plötzlich nach meiner Meinung und meinen Ideen gefragt, um bei der Entwicklung einer Schule und eines Krankenhauses mehr als nur einen kleinen finanziellen Teil beizusteuern.

Nebenbei musste ich auch oft zwischen den Anwohnern und den internationalen Freiwilligen vermitteln. Und meistens konnte ich nur zusehen, wie die verschiedenen Kulturen sich missverstanden, aneinander prallten und sich nur in einem komplizierten Prozess wieder aus dem Murks herausschälen konnten. Ich verstand und akzeptierte plötzlich zwei Seiten, zwei Ansichten gleichzeitig. War ich auch so stur gewesen, als deutsche Freiwillige bei der ersten Reise?

Zum zweiten Mal verabschiedete ich mich von Kenia. Meine Fernbeziehung war bekräftigt und mein Verständnis vertieft.

Nach anderthalb Jahren hatte ich endlich begeistert mit dem Studium begonnen: Kulturwissenschaften und Afrikanistik. Und wieder flog ich nach Kenia. Dieses Mal als Teil der Familie.

Mein Verlobter hatte uns ein Haus auf dem Familiengrundstück gebaut, was soviel Wert war wie ein eigenes Zimmer, das uns zuvor nie zur Verfügung gestanden hatte.

Ich verbrachte auch viel Zeit mit meiner Schwiegermutter in der Küche und auf dem Feld. Trotzdem war der Aufenthalt für mich fast wie Urlaub. Wir besuchten Freunde und ich nahm am Familienalltag teil.

Ich lernte einige mir neue Ansichten, Frauenbilder, Erwartungen und Familienabläufe kennen. Ich haderte mit ihnen. Und doch ordnete sich irgendwann alles in ein „Nebeneinander“ anstatt ein „Gegeneinander“, in ein „So und auch so“ anstatt ein „Nur so und so nicht“.

Ich merkte, dass Reisen Teil meines Lebens und Alltags sein konnte – und dass Alltag auch Teil einer Reise ist. Und dass es mich nicht zu einem besseren, interessanteren oder bewundernswerten Menschen macht, regelmäßig nach Kenia zu reisen, manchmal bei einem Projekt mit zu helfen und hauptsächlich am Alltag dort teilzunehmen.

Ich wollte genau diese Erkenntnis den Daheimgebliebenen weitergeben und nahm viele Videoclips auf, die ich zu einem netten Filmchen zusammenschneiden und in Deutschland zeigen wollte.

Der dritte Abschied war schon überraschend „trocken“, was das Tränenpensum anging. Beim ersten Mal war es noch Schluchzen, Rotz und tagelange Überforderung in Deutschland gewesen. Beim zweiten Mal ein tränenreicher Abend. Jetzt tupfte ich mir noch im Flugzeug die Augen trocken.

Denn ein Jahr später ging es ja schon wieder los.

Diesmal zum Studieren. Ich schrieb meine Bachelorarbeit in Kenia. Und daneben hatte ich viel freie Zeit, die mich sehr geprägt hat. Und zwar nicht, weil ich draußen war, Orte entdeckte, Bekanntschaften machte und Erlebnisse sammelte.

Sondern weil es ein Angebot vom Internet-Provider gab: Kaufe dir Datenvolumen für 10 Euro (reicht für ca. einen Monat), und du kriegst extra Datenvolumen im Wert von 7,50 Euro, das du eine Woche lang zwischen 22 Uhr und 10 Uhr nutzen kannst.

In diesen Nächten und Morgen nahm ich an Online-Kursen teil und las und recherchierte viel. Zum einen über Minimalismus, Permakultur, Selbstfindung. Zum anderen über die Privilegien, die wir Menschen aus dem globalen Norden haben und die es uns erlauben, zu reisen. Über die Vorurteile und Machtstrukturen, die das ermöglichen. Kurz: In diesen Nächten und Morgen legte ich den Grundstein für Mind Set Travel.

Ich begann zu bloggen. Ich besuchte gleich mehrmals die kenianische Küste. Ich durfte zum ersten Mal meiner Familie meine zweite Heimat zeigen.

Mir wurde zum ersten Mal etwas geklaut. Erst mein Handy, mitten auf der Straße. Und dann mein Laptop mit meiner Abschlussarbeit, bei einem bewaffneten Überfall im Bus. Ich musste meine Arbeit fast von vorne beginnen und habe während der zwei Wochen die größte Unterstützung meines Mannes erfahren. Denn mein Verlobter war inzwischen mein Mann geworden.

Auch all die Videoclips waren damit weg, was mich erleichterte. Denn bei genauerem Hinsehen hatte ich mit ihnen genau die Stereotype und Vorurteile reproduziert, die ich doch inzwischen eigentlich vermeiden wollte.

Zum vierten Mal verließ ich Kenia. Ich war BA. Ich hatte angefangen zu joggen, was ich nie zuvor von mir gedacht hätte. Ich war verheiratet. Ich war mir meiner Verantwortung als Reisende und Berichtende bewusst und doch so verwirrt, wie ich je über Kenia sprechen sollte. Und ich war auf dem Weg zu meinem Master in Schweden.

Kenia-Reise Nummer fünf

Mein Trauzeuge und bester Freund holt mich ab, denn mein Mann studiert. Wir haben eine eigene kleine Ein-Zimmer-Wohnung. Unsere Ausgaben sind gering und so ist es nicht schlimm, dass ich die Jobs, für die ich mich halbherzig bewerbe, nicht bekomme.

Ich lerne mehr übers Bloggen, über Marketing, übers Freelancen. Ich initiiere das Entrepreneur Café in Nairobi. Ich lerne Couchsurfer kennen. Ich initiiere das Live Your Legend Meeting in Nairobi. Ich mache ein Video für meine Oma zum Geburtstag, damit sie sich einen Tag im Leben in Nairobi vorstellen kann. Einen Monat später mache ich noch ein Video, als Rückblick sozusagen. Diese persönlichen Monatsvideos bekommen Freunde und Familie bis heute von mir.

Freunde und Familie werden mir wichtiger. Meine Schwester kommt mich zum zweiten Mal besuchen. Wir fahren durchs Land und machen gleichzeitig einen Selbstfindungskurs.

Ich selbst werde mir wichtiger. Mein Sinn, meine Überzeugungen und auch meine Zweifel und Gefühle werden mir wichtiger. Ich probiere alles aus, vom HIIT-Workout über Yoga, Meditation, Dream Journaling, regelmäßigem Gottesdienst und Dear-Future-Me-Briefen, bis hin zu Businessplänen, Dankbarkeits-Tagebuch, Social Media Strategien und Online-Konferenzen.

Als ich Kenia zum fünften Mal verlasse, wächst die Überzeugung, ab jetzt nie mehr eine Fernbeziehung haben zu müssen. Denn mein Mann ist mit dabei.

Es wächst die Lust auf Eigenständigkeit und die Motivation, statt eines Jobs die Selbstständigkeit auszuprobieren. Es wächst die Sicherheit, das Vertrauen und das Wissen, dass schon alles gut werden wird. Es wächst der Glauben in mich selbst, meinen Lebenssinn und meine Aufgabe in dieser Welt. Und es wächst ein kleiner Mensch in meinem Bauch.

Kenia hat aus einer neugierigen Abiturientin eine selbstständige Frau gemacht.

Wahrscheinlich hätte ich diese Entwicklung auch ohne Kenia geschafft. Und Kenia wäre wahrscheinlich auch ganz gut ohne mich ausgekommen. Aber jetzt haben wir uns an der Backe, und wir werden uns so schnell nicht mehr los. Und das ist im positivsten aller Sinne gemeint.

Ist dieser Hund exotisch?

Eines Tages bekamen wir ein Geschenk von einem Freund. Es war klein, hatte blondes Fell, vier Beine und einen Schwanz. Es hieß Dolly. Es war ein Hund.

Ich muss erstmal ein bisschen ausholen und etwas zu Haus- und Nutztieren in Kenia erklären.

Während all meiner Aufenthalte in Kenia habe ich insgesamt nur drei weiße Haushunde gesehen. Die anderen waren meistens eher Streuner oder Sicherheitspersonal. Das bedeutet, sie werden nicht gestreichelt. Die Besitzer füttern sie, schlagen sie aber auch, wenn sie aufdringlich werden. Ich trainierte Dolly ein wenig. Doch auch vor ihr hatten Kinder und Erwachsene Angst, so wie sie vor anderen Hunden Angst haben.

Verglichen mit anderen Hunden in Kenia, die eher kurzes, raues Fell haben und etwas knochig sind, ist Dolly fast flauschig, besonders ihre Ohren. Außerdem ist sie etwas kleiner als andere Hunde.

Wir riefen den Tierarzt an, damit er sie impfte. Er füllte einen kleinen pinken Hundepass aus.

Name: Dolly

Colour: brown

Breed: exotic

Ich musste lächeln. Und es brachte mich auch zum Nachdenken.

Diese Hunderasse kommt in Kenia nicht so oft vor. Sie wird deshalb als „exotisch“ bezeichnet.

Das trifft auch auf andere Bereiche zu. Es gibt exotische Baumarten und exotische Kühe. Ich habe gemerkt, dass Kenianer das Wort „exotisch“ benutzen, um Spezies zu beschreiben. Tatsächlich kommen die so bezeichneten Spezies von Tieren oder Pflanzen in meinem Land sehr oft vor!

Das Wort exotisch kommt wohl aus dem 18. Jahrhundert. Es stammt vom griechischen exōtikos (fremd). exō bedeutet außerhalb. Die alten Griechen bezeichneten alles außerhalb Griechenlands – oder sagen wir alles außerhalb der europäischen Sphäre – als exotisch.

Kann denn dann etwas, was innerhalb der europäischen Sphäre geläufig ist, überhaupt als exotisch bezeichnet werden? Wer darf darüber entscheiden?


Wir machen einen kleinen Exkurs.

Was sagt dir dieses Bild?

Das sind Bücher, die alle irgendwas mit „Afrika“ zu tun haben. Und sie alle zeigen eine Akazie im Sonnenuntergang. Laut der Verlage, die diese Buchtitel außerhalb Afrikas kreieren, ist Afrika orange und exotisch. 

Anderswo wird es als „unberührtes Land“ beschrieben, rau und „von der Zivilisation noch nicht zerstört“. Die Männer sind „die besten Liebhaber“, die Frauen tragen „traditionelle, bunte Kleidung“ und sind „energetisch und emotional“.

Was ist das Problem dabei, wenn wir etwas als exotisch oder fremd bezeichnen, selbst wenn wir meinen: anziehend, attraktiv, interessant?

Wenn wir uns darauf konzentrieren, wie gut jemand tanzen kann, oder wie bunt jemand gekleidet ist, oder wie wild und vielfältig ein bestimmter Naturraum ist – ist das nicht eigentlich positiv? Was hat das mit Rassismus zu tun?

Die Probleme mit der Exotisierung von Menschen und Ländern:

  • Diese Terminologien stammen aus dem kolonialen Vokabular. Sie rechtfertigen, dass wir Unterscheidungen vornehmen. Die Kolonialmächte werden dabei immer aufgewertet. Dies trägt dazu bei, dass koloniale Machtstrukturen zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden bis heute aufrecht erhalten werden können.
  • Menschen werden generalisiert. Bestimmte Eigenschaften werden ihnen einfach zugeschrieben. Unterschiede und Vielfältigkeiten verschwinden. Individuen gehen in der Masse unter.
  • Meistens konzentrieren sich Beschreibungen vom Exotischen auf emotionale oder visuelle Aspekte. Die intellektuellen Fähigkeiten einzelner Personen, was sie eigentlich menschlich macht, wird ignoriert.
  • Der „exotische“ globale Süden wird zum Kontrast zum „aufgeklärten“, „rationalen“ und „wohlorganisierten“ globalen Norden. Wenn wir eine Gruppe von Menschen als exotisch beschreiben, stellen wir gleichzeitig uns selbst und unsere Kultur über sie.
  • Das Gleiche gilt für wilde, exotische Landschaften. Darin können Reisende sich als mutige Abenteurerinnen, Entdecker und Heldinnen präsentieren. Das akademische, wirtschaftliche und politische Potential dieser Länder zählt nicht.

Um es etwas weniger theoretisch auszudrücken:

Wenn wir uns nur auf bunte Kleidung und abenteuerliche Natur konzentrieren, vergessen wir die Akademiker. Es gibt Literatur aus Afrika, die auch ohne Sonnenuntergänge und Akazien auskommt.

Wir beschreiben die Menschen im globalen Süden als emotionale, kindliche Leute. Und wir aus dem globalen Norden wirken dadurch wie rationale Erwachsene, die sich aufopfern und ihre Komfort-Zone verlassen, um diesen emotionalen Wesen zu helfen.

Doch kannst du dir vorstellen, dass die Maasai schon viel länger Handy-Überweisungen machen als du?

Und afrikanische Männer sind sogar auf Facebook!

Hier sind ein paar Gegenüberstellungen, die wir unbewusst machen.

Wie du schnell erkennen wirst, sind solche Wörter keineswegs neutral:

entwickelt – unterentwickelt

normal – exotisch

rational – emotional

modern -traditionell

Stadt – Land

Ordnung – Chaos

gebildet -primitiv

gesund – krank

realistisch -naiv

Zivilisation – wild

Spenden – bedürftig

weiß -schwarz

Ich glaube, es ist okay, bestimmte Spezies von Tieren oder Pflanzen als exotisch zu beschreiben, also als ungewöhnlich, nicht einheimisch, von außerhalb.

Doch als Reisende müssen wir vorsichtig sein mit der Exotisierung von Landschaften, Menschen und ganzen Kontinenten.

Wie gehst du mit „dem Exotischen“ um? Fällt es dir leicht, hinter das exotische Bild zu blicken? Sag mir unten in den Kommentaren Bescheid.

Fotografieren in Afrika: Der Leitfaden für verantwortungsvolle Reisefotografie

Es gibt unzählige Fotos, die „Afrika“ in einem bestimmten Kontext repräsentieren sollen.

Wenn du sie betrachtest, behalte die Macht der Person im Hinterkopf, die das Foto gemacht hat. Sie wählt den Bildausschnitt. Was man sieht und was man nicht sieht. So werden die fotografierten Menschen oder Situationen schnell zu Objekten.

Wir werden ständig mit Fotos konfrontiert, die uns „ein hungriges afrikanisches Kind“ oder „Krieg in Afrika“ zeigen. Heutzutage ist es nur schwer vorstellbar, dass Menschen in Afrika sättigende Mahlzeiten haben und in Frieden leben.

Diese Fotos machen Afrikaner zu Opfern, und uns „Westler“ ehrenhaften, entscheidungs- und handlungsfähigen Helfern. Das unterstützt hierarchische Strukturen und Machtbeziehungen, die auf kolonialen Ideologien basieren. Oft haben Urlaubsschnappschüsse Ähnlichkeit mit den Trophäen aus Kolonialzeiten.

Um dir das bewusst zu machen und dann vor Ort verantwortungsvoller Bilder zu machen, kannst du schon vor der Reise mit der Vorbereitung beginnen:

Vorbereitung

Gib dein Zielland in eine Suchmaschine ein und sieh dir die Bilder an. Hinterfrage diese Fotos! Kannst du welche finden, die etwas anderes zeigen als exotische wilde Tiere und romantisierte Armut? Wie porträtieren Fotografen aus deinem Zielland ihre Heimat?

Ich habe Kenia bei der Google Bildersuche eingegeben und dies ist das Ergebnis:

Allerdings zeigen kenianische Fotografen eine ganz andere Perspektive:

Able to jump mountains with a single bound….. 😬 @wanzalla

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Die Motivation für ein Foto

Es gibt bereits Millionen von Fotos von Giraffen im Sonnenuntergang. Warum mache ich noch eins? Was möchte ich mit meinen Fotos beweisen? Warum jage ich nicht „perfekte Momente“ wie Trophäen? Oft reproduzieren wir die Fotos – und die Vorurteile, die damit verbunden sind – die wir schon so oft gesehen haben.

Landschaft

In Afrika gibt es mehr als Savanne. Es gibt Großstädte mit Hochhäusern, grüne Vororte, Autobahnen, Ortschaften und Einkaufszentren. Mache ich nur Fotos von ländlichen Gegenden, weil sie so exotisch sind, und so anders von den Eindrücken, die du kennst? Wenn wir die Städte und alle Zwischenzonen auslassen, wird das ein unausgeglichenes Bild.

Menschen

Bitte IMMER um Erlaubnis. IMMER. Und betrachte sie nicht als selbstverständlich, selbst wenn sie dir gegeben wird. Manche Menschen werden einverstanden sein, weil du sie überrascht hast. Sie möchten nicht unhöflich sein. Das ist keine Einverständniserklärung zur Veröffentlichung.

Lass uns respektvolle Fotos von Menschen machen. Vermeide Fotos von oben. Dafür müssen die Fotografierten nach oben sehen und das lässt sie klein wirken. Wenn ich ein Selfie mit ihnen mache, wo im Bild erscheine ich? Inmitten dekorativer dunkelhäutiger Kinder? Stehend, während andere Leute sitzen? Lass uns die fotografierten Personen nicht zu Objekten machen.

Bearbeitung

Wenn wir unsere Fotos digital bearbeiten, sollten wir darauf achten, was wir aus ästhetischen Gründen nicht zeigen und warum. Warum wähle ich diese Perspektive? Was lasse ich aus? Eine leichte Kontrastveränderung lässt eine flache Landschaft feindlich und scharf aussehen. Andere Veränderungen können die Hautfarbe aufhellen oder verdunkeln. Die Grenze zwischen ethischer Bildverbesserung und Manipulation ist extrem fein und verschwommen. Lass uns also sehr vorsichtig sein.

Teilen und Veröffentlichen

Noch einmal: Wir brauchen die Erlaubnis der fotografierten Menschen zur Veröffentlichung. Frage die Eltern der Kinder um Erlaubnis.

Neulich fragte mich eine Angestellte in der Kinderbücherei, ob sie ein Foto von unserem Sohn und mir machen dürfte für die Webseite. Ich sagte Nein, weil das unsere Familien-Regel ist. Aber ich bedankte mich, dass sie gefragt hatte.

Kannst du dir vorstellen, dass nicht alle Eltern Fotos von ihren Kindern im Internet veröffentlicht haben möchten? Kannst du die Eltern der Kinder, die du fotografierst, um Erlaubnis fragen?

Soziale Medien sind auch eine Form der Veröffentlichung. Wie würdest du dich fühlen, wenn du eines Tages ein Foto von dir im Internet finden würdest, dass dich als arm oder exotisch darstellt?

Bildunterschriften

Nenne alle Leute auf dem Bild beim Namen, oder niemanden. „Ich und ein paar Kinder“ macht die weiße Person zum Helden, zur Hauptperson, und die Kinder werden zur Dekoration. Wie wäre es mit: „ABC-Schützen der Garden School am letzten Schultag vor den Ferien“?

Lass uns auch vermeiden, Vorurteile zu reproduzieren oder die fotografierten Menschen oder Situationen abzuwerten.

Sicherheit

Große Kameras und Ausrüstungen – aber auch teure Handys – sind eine attraktive Gelegenheit für jemanden, der etwas stehlen will. Wenn ich weder meine Kamera riskieren, noch ständig paranoid um mich schauen möchte, lasse ich meine Kamera einfach zu Hause. So wird der Spaziergang wesentlich entspannter.

Du kannst einen Freund oder einen Fremdenführer fragen, ob es in Ordnung ist, wenn du deine Kamera mitnimmst und Fotos machst.

Gesetze

In Nairobi und an anderen Orten ist es verboten, bestimmte Regierungsgebäude zu fotografieren. Wer Probleme vermeiden will, hält sich an die Regeln.

Keine Fotos machen ist auch eine Option!

Am Anfang einer Reise bin ich immer schüchtern, vorsichtig, überfordert und sehr sensibel – auch was das Fotografieren angeht. Ich habe gelernt, dass das GUT ist!

Lass uns dieses Feingefühl nicht verlieren. Unsere intuitive Zurückhaltung zeigt, dass du dir des komplexen Prozesses der Fotografie bewusst bist. Auch das Nicht-Fotografieren ist ein Ausdruck von verantwortungsvollem Verhalten.

Was sind deine besten Tipps für verantwortliches Fotografieren? Schreib mir unten in den Kommentaren.

Das unbesiegbare Riesenmonster: 7+ Symptome von meinem Kulturschock

Dieser Artikel ist sehr verschnörkelt. Aber nur so kann ich ausdrücken, wie sich mein Kulturschock angefühlt hat. Und wie ich ihn habe gehen lassen.

Ich möchte ehrlich mit dir sein: Reisen ist nicht immer so schön wie es auf Instagram und Youtube aussieht.

Acht Wochen nach meiner Ankunft in Kaunas habe ich etwas durchlebt, was ich im Nachhinein teilweise als Kulturschock bezeichne.

Hier sind die Symptome:

Krankheitssymptome

Es begann mit einem Nachmittag, an dem mir schwindlig war. Ich musste mich aufs Sofa setzen und mich in Decken wickeln, weil ich fror. Bewegen wollte ich mich eigentlich gar nicht, weil dann gleich alles Karussell fuhr. Das ist aber ein bisschen schwierig zu gestalten, wenn man ein Kind hat.

Kopfweh machte sich breit. Sehr untypisch für mich.

Ich ging früh ins Bett. In der Nacht schwitzte ich das Laken durch. Das Kopfweh war am nächsten Tag immer noch da. Noch ungewöhnlicher.

Isolation und Überforderung

In der nächsten Woche wuchs mir alles über den Kopf. Ich fühlte mich isoliert und alleine. Ich konnte es kaum erwarten, dass die Stunden einfach vorbei gingen. Ich war unruhig und trotzdem überfordert und erschlagen.

Mich nervte das Kochen, mich nervte die Wohnung, mich nervte der Haushalt, das Wetter, der Alltag, das Einkaufen, die Menschen, die Stadt. Mich nervte sogar mein Kind.

Die einzigen Lichtblicke waren Spaziergänge, wenn es trocken war. Und Arbeit an dieser Webseite, wenn das Kind schlief und ich genug Kraft hatte, wach zu bleiben. Kam beides selten genug vor.

Meine Beziehung litt

Dann nervte mich mein Mann. Der nie da war und mir alle Arbeit überließ und Anschluss fand in seinem Studium und mir dann erzählte, wie anstrengend es doch sei, sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Jede seiner Fragen fühlte sich an wie ein Angriff gegen mich. Bei jeder seiner Bewegungen wollte ich nur mit den Augen rollen.

Schlafprobleme

Ich schlief kaum. Dabei schlafe ich sonst immer und überall wunderbar. Ich schlief auf der Couch. Schwitzte, dachte nach, bekam Kopfweh, weinte. Ich überlegte, ob ich vielleicht mal weg sollte für eine Weile. Und dann erschlug mich wieder die Tatsache, dass mein Mann sich noch zwei Wochen lang voll und ganz aufs Studium konzentrieren musste. Ich fühlte mich wie eine schlechte Ehefrau und eine schlechte Mutter.

Gedankenkarussell

Ich steckte mittendrin im Sumpf und versuchte herauszufinden, wo genau ich war und warum ich dort gelandet war und wie ich wieder herauskommen sollte. Und je mehr ich nachdachte, desto tiefer wurde ich hineingezogen.

Meditation half auch nicht. Irgendwer hämmerte ein unsichtbares Brett gegen meinen Hinterkopf, sobald ich begann, auf meine Atmung zu achten.

Ich wollte nicht schon wieder selbst das Problem sein.

Mir war klar, dass ich selbst das Problem bin. So wie immer. Und ich wehrte mich so sehr und mit aller Kraft gegen diese Tatsache. Ich wollte mir nicht schon wieder eingestehen müssen, dass es wieder mal an mir lag. Dass ich mich wieder mal zusammenreißen musste. Dass das alles nur in meinem Kopf war. Und dieser Kampf kostete mich meine letzte Kraft. Ich nutzte meine letzten Energie-Reserven gegen das unbesiegbare Riesenmonster, das unwiderruflich auf mich zukam und über mir zusammenbrechen würde. Während es zielsicher auf mich zu wankte schrie es: Deine Schuld! Du selbst bist das Problem!

Ich sagte es laut: Ich weigere mich. Warum immer ich? Ich will nicht immer mein eigenes Problem sein! Kann ich nicht auch mal einfach jemand anderen Schuldigen finden und damit hat es sich?

Und je mehr ich das betonte und strampelte und um mich schlug, desto näher kam das Monster.

Zusammenbruch

Es brach über mir zusammen und ich brach unter ihm zusammen. Am Küchentisch weinte ich. Ich hatte keine Worte mehr zur Erklärung. Ich erschrak vor mir selbst. Ich war kurz davor, unser Kind sehr unfair zu behandeln, aus einer Kurzschluss-Aktion hervor.

Oh Gott, ich will nicht so reagieren, schluchzte ich, stellte mich an die Spüle und begann mechanisch, das Geschirr zu spülen. Einfach, um einige Momente vergehen zu lassen und nicht reagieren zu müssen.

Erholung bei inspirierender Arbeit

Und so verging die erste Woche in diesem Zustand. Wir fanden keine Lösung. Nur kam ich am Sonntag wesentlich erleichterter und erfüllter nach Hause. Ich hatte den ganzen Tag in einem Café verbracht und an meiner Webseite gearbeitet.

Ich beschloss, die zweite Woche einfach auszusitzen. Und eine Mischung aus Nicht-Reagieren und proaktivem Anpacken half mir.

Nicht-Reagieren und Lächeln

Ich wusste, es gibt keine andere Möglichkeit als zu warten, bis mein Mann seine Prüfungen geschrieben hatte. Eine Woche. Sieben Tage. Ich konnte es schaffen. Wenn unser Kind mich forderte, lächelte ich und reagierte nicht. Generell lächelte ich viel. Ich lächelte mir selbst zu und es fühlte sich erst sehr komisch und aufgesetzt an. Und dann wurde ich weich und musste wirklich über mich lächeln. Ich lächelte auch anderen zu. Anderen Leuten, und dem Regen, und der klemmenden Tür und dem Dreck auf dem Boden.

Ich nahm mir einen Tag und kochte alles Essen für die ganze Woche vor, sodass das Kochen mich nicht mehr stressen konnte. Ich ließ die Jahresplanung und Seelenarbeit, die ich begonnen hatte, ruhen. So konnten diese Aktionen mich nicht überfordern.

Maßnahmen ergreifen und frische Luft

Und dann schrieb ich meiner einzigen Freundin in Kaunas, ob sie Zeit hätte. Und den Couchsurfern, ob sie kommen wollten. Und einer veganen Köchin, ob wir sie besuchen dürften. Ich suchte nach Street Art und machte eine Tour, die einen halben Tag dauerte.

Ich fuhr raus aus der Stadt und ging mit dem Kinderwagen am Fluss entlang.

Ich postete auf Instagram mit Kind auf dem Schoß. Ich sagte öfter zu ihm: Okay, jetzt bist du dran. Jetzt hast du meine volle Aufmerksamkeit.

Es besserte sich. Ich schaffte es durch die Woche. Ich war freundlicher zu meinem Mann. Wir sprachen nochmal darüber. Er sagte, er habe dasselbe gefühlt in seiner ersten Zeit in Deutschland. Und dann hatte er meine Schilderung von Kulturschock gelesen, auf der englischen Version meiner Webseite. Und er hatte gemerkt, dass er selbst einen Kulturschock hatte.

Oh, sagte ich, dann ist das hier vielleicht auch einer.

So ganz überstanden ist es noch nicht. Hin und wieder zieht mich noch eine Kleinigkeit runter. Aber das ist normal. Gerade weil jetzt das Herbstwetter richtig schön kalt und feucht ist, weiß ich manchmal nicht genau, wohin mit mir oder uns.

Und natürlich waren diese Gefühle nicht alle nur dem neuen Land geschuldet.

Aber es gibt auch wieder Lichtblicke: Mein Mann hat mehr Zeit für unser Kind. Ich habe mehr Zeit für meine Webseite. Wir haben alle mehr Zeit füreinander. Und dafür, neue Bekanntschaften zu schließen.

Wir kriegen Besuch. Touren vorzubereiten und Ausflüge zu organisieren macht mir riesigen Spaß.

Und ich nehme jetzt wieder öfter ein heißes Bad und trinke still meinen Ingwertee. Mit anderen Worten: Ich habe mehr Lust, wieder was nur für mich zu tun.

Was sind deine Erfahrungen mit der Ankunft an einem neuen Ort. Wie macht sich der Kulturschock bei dir breit? Schreib mir unten in den Kommentaren.

[VIDEO] 8 ungewöhnliche Orte jenseits der Touristenblase

Eine Sache, die ich oft gefragt werde, ist:

Wie komme ich aus der Touristenblase raus? Wo komme ich so richtig mit der Kultur vor Ort in Kontakt? Wie finde ich Pfade, die noch nicht so ausgetreten sind? Und wenn ich mal raus bin aus der Touristen-Zone – was ist dann da überhaupt noch?

Ich zeige dir hier ein paar ungewöhnliche Orte in Kaunas und Wege, wie du das Alltagsleben der Menschen kennenlernen kannst.

Zunächst kannst du einiges tun, um den ausgetretenen Pfaden zu entkommen:

  1. Couchsurfing (Geh zu Meetings oder nutze Hangouts)
  2. Freiwilligendienst
  3. WWOOF
  4. Frage Leute wie den Taxifahrer oder das Hostelpersonal und lass dich mitnehmen.

Begib dich an folgende Orte außerhalb der Touristenblase:

  1. Um die Touristenblase zu verlassen, kannst du zum Beispiel bei Google Maps eine Wohngegend suchen. Nomadlist ist dafür auch eine gute Quelle.
  2. Oder setz dich in einen Bus und fahre bis zur Endstation.
  3. Gehe auf Märkte und in Supermärkte.
  4. Iss in Imbissbuden statt in den bekannten Restaurants im Zentrum.
  5. Kleine Plätze, Parks oder Gartenanlagen befinden sich auch oft außerhalb der Touristenblase.
  6. Auf Friedhöfen entdecke ich persönlich sehr gerne spezifische kulturelle Spuren.
  7. Finde heraus, ob es eine Street Art Szene gibt.
  8. Fahr raus aufs Land und sieh dich um.

Wahrscheinlich denkst du jetzt: Da ist ja gar nichts, in diesen Wohngegenden oder an diesen merkwürdigen Orten. Aber was soll da auch sein? Dort wohnen die ganz normalen Leute.

Wir sind immer auf der Suche nach solchen Orten, wenn wir reisen. Aber zu Hause brüsten wir uns selten damit, an einem langweiligen, authentischen Ort gewesen zu sein.

Allerdings zeigen uns Ausflüge an solche Orte auch, dass man nicht ständig Instagram-taugliche Fotos machen oder nur die Standard-Liste abklappern muss. Das Alltagsleben, das uns als authentisch Reisende so sehr interessiert, findet eben einfach in Wohngegenden, auf der Straße oder in etwas langweiligeren Gegenden statt. 

Ich rate dir zu solchen Ausflügen.

Ich stelle mich dabei jedes Mal meiner Angst, etwas zu verpassen. Außerdem wird mir jedes Mal wieder bewusst, dass beeindruckende Reisemomente gar nicht immer spektakulär sein müssen.

Gönne dir einen Tag außerhalb der Touristenblase. Stell dich dem Unspektakulären!

Was sind deine Wege raus aus der Blase? Findest du es überhaupt nötig, sie zu verlassen? Sag mir unten in den Kommentaren Bescheid.

Mein Haus in Kenia

oder: Wie Sprache Vorurteile und Rassismus transportiert

Mein Haus steht auf dem Land in Kenia, in der Nähe der ugandischen Grenze. Es hat ein hölzernes Grundgerüst, das mit Tonerde aufgefüllt und verputzt ist. Es hat einen zementierten Boden und eine Veranda. Das Dach ist aus Wellblech.

Ich habe die Wände selbst verputzt, mit einer Mischung aus Erde und Kuhdung. (Kuhdung ist wahrscheinlich das coolste natürliche Material auf diesem Planeten: Er versiegelt nicht nur Wände und Körbe oder glättet Vorhöfe. Er hält auch die Schlangen fern!

Mein Haus hat zwei Schlafräume, eine Dusche, ein großes Wohnzimmer und Glasfenster. Das hohe Dach und die Lücke zwischen Wellblech und Wänden verhindern, dass es sich zu sehr aufheizt, selbst wenn die Sonne drauf brennt. Man könnte sagen, mein Haus hat eine natürliche Klimaanlage.

Mein Haus steht auf dem Familiengrundstück neben den Häusern meiner Schwiegers. Manche dieser Häuser haben Grasdächer, andere sind aus Ziegeln und haben Wellblech-Dächer. Dort stehen auch die Küchenhäuser, ein kleiner Garten, Toiletten, ein Kuh-Gehege, ein Hühnerhaus, eine alte Vorratskammer und kleine Häuschen für Hunde und Enten.

Wenn ich meiner Schwiegermutter beim Kochen helfe, sagt sie: Bring das Essen ins Haus. Oder sie sagt: Der Vater ist nicht im Haus. Oder nach der Feldarbeit: Stell die Hacke einfach vors Haus.

Als ich meinem Vater zum ersten Mal ein Foto von meinem Haus zeigte, sagte er: Oh, das ist aber eine schöne Hütte!

Das hat mich verletzt. Es hörte sich für mich so an, als hätte ich keine anständige, wertgeschätzte, universell angesehene Unterkunft (sprich: ein Haus). Und als wohnte ich stattdessen in irgendeiner unterbewerteten, unvollkommenen, vielleicht sogar schmutzigen oder einfach armseligen Baracke – eben in einer Hütte.

Ich habe meinem Vater inzwischen natürlich vergeben. Denn auch ich habe diese Gebäude als Hütten bezeichnet, in meinen Reisetagebüchern der ersten Reisen nach Kenia. Dabei sind sie für die Bewohner einfach Häuser.

Ich war überzeugt: Afrikaner wohnen in Hütten. Ich wusste das aus Kinderbüchern, von meinen Lehrern, aus Filmen, der Werbung usw.

Wir gehen zum Arzt – sie gehen zum Medizinmann.

Wir haben einen Bürgermeister – sie haben einen Häuptling.

Unser Land ist in Bundesländer aufgeteilt – ihres in Stämme.

Um die Sache NOCH komplizierter zu machen:

Manche Kenianer benutzen diese Begriffe auch selbst. Jemand erzählte mir, es gäbe 42 Stämme in Kenia, und jeder identifiziere sich darüber. Stell dir mal vor, wie überrascht ich war, als ich in meinem ersten Semester der Afrikanistik hörte, das „Stämme“ und „Häuptlinge“ ein Konzept aus der britischen Kolonialzeit seien. Die Professorin sagte, das seien veraltete – sogar erfundene – Begriffe, und wir sollten sie nicht mehr benutzen.

„Aber sie sagen doch selber Stämme,“ protestierte ich. Ich habe mich doch in Kenia selbst mit dem Assistant Chief („Assistenz-Häuptling“) unterhalten, der sich selbst als solcher vorstellte. Das ist eine administrative Anstellung!

Es ist aber auch ein Wort, das Werte transportiert.

Ein Häuptling oder Chief ist nicht so kompetent wie ein Bürgermeister.

Stammeskriege sind dumm und unbegründet.

Und eine Hütte ist kein richtiges Haus.

Als Reisende müssen wir uns mehr denn je mit unserer Sprache auseinandersetzen. Warum bezeichnen wir das, was wir in Afrika sehen, anders als die selben Dinge, denen wir anderswo begegnen? Müssen wir abwertende koloniale Begriffe weiterhin bedienen?

Unsere Sprache und unsere Worte ständig zu hinterfragen ist sowas von schwer! Aber es lohnt sich. Und wir tragen diese Verantwortung.

Hast du dir schon mal wirklich Gedanken gemacht, was die Worte transportieren, die du benutzt? Erzähl mir deine Meinung, unten in den Kommentaren.

10 Tipps wie du den günstigsten Flug buchst [+PLANUNGSHILFE ZUM AUSDRUCKEN]

Ich habe in meinem Leben nun schon so einige Flüge gebucht. Und jedes Mal kriege ich wieder Herzklopfen. Dieser Button: Jetzt verbindlich buchen… Wieder der Beginn einer Reise. Herzklopfen! Und tausend Fragen und Zweifel in meinem Kopf:

  • Ist das jetzt wirklich das billigste Angebot?
  • Soll ich nicht doch noch warten?
  • Kann ich mir das eigentlich leisten?
  • Stimmen überhaupt alle Angaben?
  • Was, wenn sich doch noch was ändert?

Kennst du das auch? Ich habe das JEDES Mal! Das gehört wohl trotz jeglicher Routine im Flüge buchen dazu. Hier sind die 10 Tipps, die ich immer wieder befolge.

Sie sind keine Garantie, dass du wirklich den günstigsten Flug gebucht hast.

Denn diese Garantie gibt es nicht.

Aber spätestens bei Tipp #10 kannst du dann auch deinen Frieden machen mit der ganzen Schnäppchenjagd.

Tipp #1: Informiere dich frühzeitig.

Finde heraus, welche Fluggesellschaften überhaupt an dein Ziel fliegen. Das geht zum Beispiel mit momondo.de, skyscanner.de und kayak.de. Du kannst auch die Umkreissuche auf kiwi.com nutzen.

Tipp #2: Abonniere Newsletter.

Trage dich für die Newsletter der Airlines ein und beobachte Schnäppchenseiten wie urlaubspiraten.de, urlaubsguru.de und tripdoo.de.

Tipp #3: Buche 3 bis 4 Monate vor Abflug.

Außerdem scheinen die Preise günstiger zu sein, wenn du wochentags und vormittags buchst, wenn nicht so viele andere Menschen ihren Flug buchen.

Tipp #4: Anonym surfen.

Öffne ein Inkognito-Fenster, logge dich aus Google Mail und Facebook aus und lösche Cookies.

Tipp #5: Flexibilität ist alles.

  • Flexible Hinreise.
  • Flexible Rückreise.
  • Flexible Abflughäfen.
  • Flexible Rückflughäfen.
  • Gabelflug erwägen.

Tipps #6 und #7: Vergleiche und mach dir Notizen.

Dabei hilft dir diese Planungshilfe.

flug buchen

Tipp #8: Vergleiche Buchungsanbieter.

Wenn du einen guten Deal gefunden hast, klick dich weiter zur Buchung. Probiere verschiedene Buchungsanbieter aus. Gib auch ruhig schon mal ein paar Daten an. Oft wird dir der Flug dann für ein paar Stunden reserviert. Kontrolliere auch, ob der Flug vielleicht günstiger ist, wenn du ihn direkt bei der Fluggesellschaft buchst.

Tipp #9: Lass dir von Experten helfen.

Bei flystein.com oder flightfox.com kann man seine Wunschdaten und den gefundenen Preis angeben. Dann suchen Experten, die wirklich was davon verstehen, nach noch günstigeren Möglichkeiten. Die Gebühr wird nur verlangt, wenn die Experten ein Angebot finden, das entsprechend günstiger ist. Einen Versuch ist es immer wert!

Tipp #10: Buchen, akzeptieren, vergessen, loslassen, entspannen.

Wenn du die Buchung gemacht hast und alles in trockenen Tüchern ist, ist die Jagd vorbei. Fahr deinen Puls runter, melde dich aus allen Newslettern und von allen Schnäppchen-Apps ab und akzeptiere den Flug zu dem Preis, zu dem du ihn gebucht hast.

Was sind deine Erfahrungen und Tipps für die Flugbuchung? Schreib sie unten in die Kommentare!

Anmerkung: Keine der Links sind gesponsert.


Dieser Artikel ist Teil meiner Email-Serie für dich. Sie hat den schönen Titel VorFreudeBereitung. Da bekommst du abgestimmt auf dein Abreisedatum regelmäßig Emails von mir, die dich punktgenau zum richtigen Zeitpunkt an alles erinnern, was du wann vorbereiten musst.

Ich hab sie für meine Schwester entworfen, um sie auf ihren ersten Besuch in Kenia vorzubereiten. Das ist also ein sehr persönliches Projekt und es ist viel Liebe reingeflossen. Außerdem arbeite ich im Moment noch dran. Es ist also eine Art Beta-Version und deswegen NOCH kostenlos. Wenn das für dich interessant klingt dann trag dich gleich ein.

Wie viele Wochen sind es noch mindestens bis zum Beginn deiner Reise?

Die einfachste Übung, wenn meine Reiseplanung mich überfordert

Ich schätze, du stehst bald am Anfang einer Reise. Vielleicht ist dies sogar dein erster großer Trip.

Du wirst bombardiert mit Inspiration. (Vielleicht hast du die Videos mit den Reiseexperten beim Frei!Fest gesehen.)

  • Oder du hast Freunde, die eine ganz tolle Reise hinter sich haben.
  • Oder du hast ein beeindruckendes Foto von einem Ort gesehen, den du unbedingt auch besuchen möchtest.
  • Vielleicht hat dich ein Video, ein Film oder ein Buch inspiriert.

Jedenfalls willst du unbedingt loslegen mit diesem „Reisen“ – und schnell wird dir alles zu viel.

Du bist total aufgeladen – und weißt gar nicht, wo du anfangen sollst. So ging es mir, als klar wurde, dass wir ein paar Monate nach Litauen ziehen werden. Ich hab gleich mal angefangen zu googlen.

Manchmal kann die Fülle an Information und Inspiration, die es im Internet gibt, einen aber ganz schön überfordern. Es gibt Reisetipps und Flug-Buchungstipps und Verhaltenstipps und Packtipps, dazu einen Haufen fantastischer Fotos und Videos und Reiseberichte.

Da ist die Gefahr groß, dass man

  1. gar nicht zum Reisen kommt, weil man so damit beschäftigt ist, alle Infos aus dem Netz zu absorbieren.
  2. so vollgepackt wird mit Erwartungen, dass sich langsam die Angst einschleicht, dass man total enttäuscht ist, wenn man tatsächlich irgendwann vor Ort ist, weil sich all die Erwartungen gar nicht erfüllen.
  3. überhaupt nicht weiß, wo man überhaupt anfangen soll.

Sollte ich jetzt schon einen Flug buchen? Urlaub beantragen? Die Uni schmeißen? Mich um ein Visum kümmern? Mich impfen lassen? Mir eine Packliste herunterladen? Im Schlussverkauf Ausrüstung besorgen? Und wie sag ich‘s meinen Eltern? Und wird meine Beziehung halten? Wie lange will ich überhaupt weg? Ist es vielleicht besser, in der Nebensaison dorthin zu reisen? War da nicht neulich was in den Nachrichten? Ist es vielleicht am Ende gefährlich dort?

So oder so ähnlich hört es sich in so manchem Kopf an. Auch in meinem. Ich denke, das ist ganz normal.

Und es gibt genau eine Sache, die ich in dem ganzen Trubel in genau diesem Moment tun kann.

Willst du wissen, was diese einfache Sache ist, die du tun kannst, damit sich das Gedankenkarussell ein wenig beruhigt?

Einatmen. Und ausatmen.

Nochmal, und jetzt mach gleich mit: einatmen. Und ausatmen.

Mach dir mal kurz bewusst, wo du gerade bist: Du bist am Anfang deiner Reise. Du hast dich soeben entschlossen, für eine Weile den Ort zu wechseln und dich selbst und eine andere Kultur besser kennenzulernen.

Das ist eine fantastische Entscheidung und oft der schwierigste Schritt. Alles, was jetzt noch kommt, ist gar nicht so dramatisch wie wir es uns manchmal ausmalen.

Schau mal, wo du jetzt stehst: Du bist in der Position, dir ein Land oder mehrere auszusuchen, die dich interessieren. Und dann hin zu fliegen oder zu fahren. Dieses Privileg hat nicht jeder. Allein diese Auswahlmöglichkeit und Entscheidungsmöglichkeit erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit.

(Ok, atmest du noch? Gleich nochmal: ein. Und aus.)

Wahrscheinlich denkst du jetzt:

Laura, warum laberst du hier vom Atmen? Ich bin total verwirrt, was ich für meine anstehende Reise vorbereiten soll, oder wo es überhaupt hingehen soll. Da bin ich ganz froh, dass das Atmen grade mal von alleine geht.

Ich weiß, ich klinge vielleicht manchmal ein bisschen esoterisch. Aber gerade das bewusste Atmen hilft mir oft, wenn ich mal wieder in Versuchung gerate, einen Fünf-Jahres-Plan aufzustellen oder über etwas in Panik zu geraten, was – wenn überhaupt – in acht Wochen relevant sein könnte.

Mein Punkt hier ist folgender: Die Gefahr ist groß, dass du vor lauter Überforderung wie das Kaninchen vor der Schlange stehst und es dadurch vielleicht gar nicht zu deiner Reise kommt. Angst macht sich breit. Befürchtungen tauchen auf. Und wenn du es doch in den Flieger schaffst, dann vielleicht mit Anspannung und unrealistischen Erwartungen im Gepäck.

JETZT ist der Moment, der dir gehört. Dieser Atemzug ist schon der erste deiner Reise. Und der führt ganz unweigerlich zum nächsten Atemzug, auch wenn du ganz gelassen bleibst und dir nicht so viele Gedanken machst.


Wenn du noch nicht ganz überzeugt bist und wenn ich dich ein bisschen an die Hand nehmen soll bei deiner Reiseplanung, dann ist vielleicht meine Email-Serie was für dich. Sie hat den schönen Titel VorFreudeBereitung. Da bekommst du abgestimmt auf dein Abreisedatum regelmäßig Emails von mir, die dich punktgenau zum richtigen Zeitpunkt an alles erinnern, was du wann vorbereiten musst.

Ich hab sie für meine Schwester entworfen, um sie auf ihren ersten Besuch in Kenia vorzubereiten. Das ist also ein sehr persönliches Projekt und es ist viel Liebe reingeflossen. Außerdem arbeite ich im Moment noch dran. Es ist also eine Art Beta-Version und deswegen NOCH kostenlos. Wenn das für dich interessant klingt dann trag dich gleich ein.

Wie viele Wochen sind es noch mindestens bis zum Beginn deiner Reise?

So findest du überall schnell Anschluss und Einblick: 5 Tipps für die erste Woche

und: Meine ersten 7 Tage in Kaunas, Litauen

Wer langsam reist und länger an einem Ort bleibt, kennt das:

  • Wie finde ich Anschluss im neuen Land?
  • Wie lerne ich Leute kennen?
  • Wo gibt es Anwohner, die mir vielleicht helfen können?

Hier sind die 5 Dinge, die ich in der ersten Woche in Kaunas unternommen habe.

1. Verlaufe dich!

Ich habe das schon an anderer Stelle erwähnt. Ich mache das sehr gerne. Augen zu – äh – AUF! Und los!

2. Triff dich mit Leuten.

  • Nimm an einem Couchsurfing-Treffen teil. Oder veranstalte selbst ein Event.
  • Frage in einer großen, internationalen Facebook-Gruppe nach Leuten aus deiner zukünftigen Stadt. (Vorteil: Ihr teilt schon ähnliche Interessen.)
  • Verteile Kuchen in deiner Nachbarschaft. „Hallo! Ich heiße Laura. Ich bin gestern oben eingezogen. Nur damit Sie Bescheid wissen.“

3. Touristen-Information

  • Für Kaunas: It’s Kaunastic!
  • Oder gib bei Google „visit [Stadt]“ ein.
  • Lies Bücher von Autoren aus deinem zukünftigen Land.
  • Suche nach Alternativen (Streetart, politische Stadtführung, …)

4. Nimm am Alltag der Leute teil.

  • Bücherei
  • Supermarkt

5. Lokale Events

Suche nach Märkten, Dorf- und Straßenfesten.

Quellen: lokale Anzeiger, Facebook, Meetup.com, Allevents.in

Wie findest du Anschluss an deinem Reiseziel? Lass es mich wissen, unten in den Kommentaren.

[VIDEO] 4 Tipps für „authentisches“ Reisen: Im „Ghetto“ von Dortmund

Wir sprechen immer davon, wie authentisch wir reisen.

Wir machen ja keinen Urlaub, sondern wir reisen.

Wir erleben Abenteuer. Wir vermeiden die typischen Touristenpfade, sondern gehen dahin, wo die Einheimischen ihren Alltag leben.

Das alles tun wir im Ausland. Aber warum eigentlich nicht auch in Deutschland?

Ich stelle mich dieser Frage und stürze mich ins Dortmunder Ghetto, auf der Suche nach dem ganz authentischen Reiseerlebnis.

Wenn du auch ganz „authentisch“ unterwegs sein möchtest, helfen dir vielleicht diese Tipps:

1. Kleidung

Wir sind immer Gast in einem anderen Land – und auch in einer anderen Stadt in Deutschland. Es gilt also, sich an gewisse Gepflogenheiten zu halten. Richte deinen Kleidungsstil nach den lokalen Maßstäben aus. Lass die Funktionshose und den Safari-Helm zu Hause. Wenn du nicht auf den ersten Blick aussiehst, wie ein Tourist, wirst du auch nicht immer wie einer behandelt.

In Nairobi zum Beispiel tragen die meisten Männer lange Hosen und geschlossene Schuhe. Mit einer kurzen Hose und Strandlatschen outet man sich nicht nur als Tourist. Man sieht auch einfach aus wie jemand, der nicht allzu ernst genommen werden kann.

2. Öffentliche Verkehrsmittel

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass du mit den Öffis unterwegs bist. So siehst du was vom Land und kannst mit Leuten ins Gespräch kommen, die sich auskennen.

Frag doch die Taxifahrerin gleich noch nach ihren Tipps, die vielleicht nicht im Reiseführer stehen!

3. Verlaufen & nach dem Weg fragen

Pack die Karte oder das GPS weg und lauf einfach los. Lass dich einfach treiben. Geh dahin, wo es schön aussieht und wo es dich hinzieht. So entdeckst du vielleicht die eine oder andere überraschend unspektakuläre Ecke.

Und dann gilt immer: fragen, fragen, fragen. Nach dem Weg zu fragen ist der beste Einstieg in ein Gespräch.

4. Orte jenseits des Reiseführers

Mache einen Spaziergang in einem Wohnviertel. Oder noch besser: Lass dich von einer Anwohnerin dorthin mitnehmen. Lass dich nicht von den Meinungen anderer Reisender beeindrucken, dort sei es „langweilig“ oder dort „gebe es nichts zu sehen“. Gerade an solchen Orten können wir einen ziemlich guten Einblick in die Wohn- und Lebenssituationen der Menschen gewinnen.

Machen diese Punkte mein Reisen wirklich „authentischer“?

Das Problem mit dem Wort „authentisch“, das in vielen Reiseberichten auftaucht, ist seine Verbindung mit einer Wertung. Wir Reisende aus dem globalen Norden glauben nämlich zu wissen, wie „das wahre Indien“ oder „das authentische Afrika“ ist. Und das geht meistens mit einer unbewussten Abwertung einher.

„Authentisch“ bedeutet dabei ungewollt auch „arm“, „schmutzig“, „einfach“, „unterentwickelt“.

Dabei gehören Dinge wie Co-Working Spaces, Autobahnen, Subkulturen und Solaranlagen ebenso zum „wirklichen“ globalen Süden. Nur glauben wir, wir hätten die Definitionsmacht darüber, wie „das echte Leben jenseits der Touristenpfade“ aussieht.

Genau so funktioniert Rassismus: Wir machen Menschen, die wir einer „Kultur“ oder einer Gegend zuordnen, zu Objekten mit bestimmten Eigenschaften. So wird Menschen eine eigene Identität, eine Individualität und selbstbestimmtes Sein und Handeln abgesprochen.

(glokal e.V.: Mit kolonialen Grüßen…)

Wie gesagt, das geschieht erstmal unbewusst. Und wenn man erstmal darüber nachdenkt, wird alles noch viel komplizierter. Ich unterstelle dir hier also keineswegs irgendwelche fremdenfeindlichen Gedanken.

Was aber können wir tun?

  • Lass uns nicht über „authentisch“ oder „unecht“ debattieren. Es hilft, kurz darüber nachzudenken, was diese Wörter eigentlich bedeuten. Dann wird uns schnell klar, dass diese Wertung von Erlebnissen unerheblich ist.
  • Was zählt, ist das Erlebnis selbst. Kannst du es einfach so beschreiben, wie es war? Ohne Kategorien oder Wertungen zu bedienen?
  • Lass uns überlegen, woher wir diese Idee haben, schon zu wissen, was „authentisch“ ist und was nicht. Und dann lass uns nach Eindrücken suchen, die mit genau diesen Vorstellungen brechen.

Was denkst du? Lass es mich untern in den Kommentaren wissen!