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Diese 4 Beschwerden wirst du nach deiner Reise sicher haben

Tipps zur Verarbeitung deiner Reise und zur Vermeidung der Standardprobleme

“Und, wie war’s?” ist die gefürchtete Frage unter Reiserückkehrern. Deine Lieben sind froh, dich wieder hier zu haben. Sie brennen darauf, zu hören, wie es dir ergangen ist. Du steckst vielleicht gerade mittendrin im umgedrehten Kulturschock, der viele erst bei der Rückkehr ereilt.

Du würdest am Liebsten gleich wieder zurückfliegen und taumelst noch ein bisschen wie in einer Blase durch den erschreckend alltäglichen Alltag. Und dann diese Frage: “Und, wie war’s?”

Was soll man darauf auch antworten? “Gut”?

Je länger deine Reise war, desto komplexer sind die Erfahrungen, die du gemacht hast und die Erinnerungen und Erkenntnisse, mit denen du zurückgekommen bist. Vielleicht haderst du selber noch mit deinen Gefühlen und der Verarbeitung all deiner Eindrücke.

Hier sind die 3 beliebtesten Beschwerden, die schon viel zu vielen Leuten die Reise vermiest haben.

1. Zu viel Gepäck.

Ich habe noch nie jemanden sagen hören: Ich hatte zu wenig Gepäck dabei. Ich hätte gerne mehr mit mir herumgeschleppt. Vielleicht hast du das ein oder andere vergessen. Meistens lassen sich diese Dinge ersetzen. Aber die Beschwerde Nummer eins ist natürlich, viel zu viel Kram dabei gehabt und, wenn überhaupt, nur die Hälfte benutzt zu haben.

Vermeide dieses Problem, indem du nochmal radikal aussortierst. Meine drei einfachen Regeln für leichtes Gepäck findest du hier.

2. Ich wurde abgezogen.

Komisch, wir denken immer, auf Reisen wird alles billiger. Gerade, wenn wir in ein Land des globalen Südens reisen. Und dann sind wir negativ überrascht, dass etwas doch mehr kostet, als erwartet.

Unzählige Blogs berichten, dass es eigentlich günstiger ist, zu reisen oder in Thailand oder Vietnam zu leben und online zu arbeiten, als in Deutschland Miete und Autosteuer abzustottern. Das schürt die Erwartungen, mit ganz wenig Geld auskommen zu können.

Und wenn man dann eine Bootstour oder einen Ausritt in die Wüste macht, sind die Preise “touristisch” und einfach “zu hoch” in Relation zu dem eher mageren Reiseerlebnis.

Oft höre ich auch, dass jemand abgezogen wurde oder einen viel höheren Preis zahlen musste als Anwohner. Klar fühlst du dich da unfair behandelt.

Aber mach dir Folgendes bewusst: Der Taxifahrer, der von dir einen wesentlich höheren Preis verlangt als von seinen Landsleuten, leidet vielleicht unter den steigenden Lebensmittelpreisen und Schulgebühren oder unter dem Preisdruck, der durch Taxi-Apps entsteht. In dieser Situation, in der er dich durch die Stadt fährt, nutzt er seine Chance und versucht, ein besseres Geschäft als sonst zu machen.

Du siehst in dieser Situation nicht den ganzen Zusammenhang. Ist vielleicht sogar die Regierung deines Landes in Nahrungsmittelspekulation verwickelt? Wer verhängt warum Sanktionen und streicht Fördergelder? Mit welchem Hintergrund und welchen Konsequenzen drängen ausländische Konzerne auf den lokalen Markt?

Du musst nicht den hohen Preis zahlen. Du kannst dich informieren, verhandeln, auch die App verwenden. Dass du dich unfair behandelt fühlst ist verständlich und völlig erlaubt. Behalte aber die globalen Zusammenhänge im Auge, bevor du proklamierst, “abgezogen” worden zu sein.

3. Touristen!

“Die anderen Deutschen haben sich völlig daneben benommen. Sie waren nur auf ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs und kamen überhaupt nicht mit der lokalen Kultur vor Ort in Kontakt.”

Andere Reisende nerven oft. Dabei vergessen wir, dass wir trotz allem Teil ihrer Gruppe sind. Wir genießen dieselben Privilegien wie sie. Beim Reisen gibt es kein Richtig oder Falsch. Jeder darf so reisen, wie er möchte, und es steht uns nicht zu, den Reisestil anderer zu bewerten.

Nur, weil du bei einer Gastfamilie wohnst und nicht im Fünf-Sterne-Resort, macht dich das nicht zu einer besseren Reisenden. Das Fünf-Sterne-Resort ist ebenso Teil des Einkommenszweigs Tourismus wie deine Gastfamilie. Und Tourismus, wie individuell oder pauschal auch immer, ist die Realität in deinem Reiseland. Sonst wärst du ja wohl nicht dort.

Lass also andere ihr Ding machen, ohne zu bewerten. So wie du deines machst. Reisen ist kein Wettbewerb, du musst dich nicht an anderer Leute Verhalten messen. Und behalte im Hinterkopf, dass du im größeren Kontext eher zu der privilegierten Gruppe gezählt wirst.

4. Falsch, fehlerhaft, unpraktisch, lächerlich.

  • Man kann sich auf die Busse in Kenia überhaupt nicht verlassen. Die bräuchten schon lange mal einen Fahrplan.
  • Die Mülltrennung in Thailand funktioniert überhaupt nicht. Das System macht alles nur noch schlimmer.
  • Diese groß angelegten Hochzeiten in Südkorea sind völlig sinnlos. Kosten einen Haufen Geld und nach einem Jahr geht die Ehe auseinander.
  • Der Schalter für warmes Wasser in unserer kubanischen Unterkunft war IN der Dusche. Du fasst da also unterm Wasserstrahl an den Strom. Total gefährlich. Das würde in Deutschland nie gehen!

Dies sind mehr oder weniger fiktive Aussagen, die ich alle schon so oder so ähnlich gehört, gelesen oder selbst gemacht habe. Dinge funktionieren nicht, sind falsch, unpraktisch und oft genug sogar lächerlich.

Die Übersetzung dieser Aussagen lautet:

Ich bin völlig verwirrt. Hier ist etwas neu. Hier wird etwas ganz anders gemacht oder gesehen, als ich es gewohnt bin.

Nimm deine Verwirrung an und sprich darüber, wenn du magst.

Aber sei dir bewusst: Du bist in einem anderen Land, vielleicht auf einem anderen Kontinent oder sogar auf der anderen Hälfte des Planeten. Dass das Leben hier anders funktioniert, ist ganz normal und legitim. Du brauchst nicht zu vergleichen. Wenn du Bewertungen anstellst, tust du dies von deinem Standpunkt aus, mit der Art, wie du aufgewachsen bist und mit den Ansichten, die auf deiner Gesellschaft beruhen.

  • Ich kenne Kenianer, die mit den Busfahrplänen in Deutschland überhaupt nichts anfangen können und sie total unpraktisch finden.
  • Wer weiß, was jemand aus Thailand über unsere Art der Mülltrennung sagen würde. Wahrscheinlich wäre sie dort überhaupt nicht praktikabel.
  • Kritisierst du auch groß angelegte Hochzeiten, die in Deutschland gefeiert werden?
  • Wie viele Unfälle gibt es tatsächlich in kubanischen Duschen?

Lass uns akzeptieren, dass Menschen anderswo auf der Welt anders leben. Versuche, diese Lebensweisen gleichwertig mit deiner zu betrachten, ohne sie gleich machen zu wollen.

Es liegt also ganz an dir und deiner Einstellung, welche Erlebnisse du unterwegs hast.

Oder zumindest, wie du sie einordnest. Gehe offen mit deinen Erwartungen und deiner Voreingenommenheit um. Fokussiere die schönen, berührenden Momente. Und davon wirst du sicher unzählige haben.

Welche Beschwerden hörst du von Reiserückkehrern? Und welche hast du selbst? Lass es mich wissen, unten in den Kommentaren.

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