Fotografieren in Afrika: Der Leitfaden für verantwortungsvolle Reisefotografie

Es gibt unzählige Fotos, die „Afrika“ in einem bestimmten Kontext repräsentieren sollen.

Wenn du sie betrachtest, behalte die Macht der Person im Hinterkopf, die das Foto gemacht hat. Sie wählt den Bildausschnitt. Was man sieht und was man nicht sieht. So werden die fotografierten Menschen oder Situationen schnell zu Objekten.

Wir werden ständig mit Fotos konfrontiert, die uns „ein hungriges afrikanisches Kind“ oder „Krieg in Afrika“ zeigen. Heutzutage ist es nur schwer vorstellbar, dass Menschen in Afrika sättigende Mahlzeiten haben und in Frieden leben.

Diese Fotos machen Afrikaner zu Opfern, und uns „Westler“ ehrenhaften, entscheidungs- und handlungsfähigen Helfern. Das unterstützt hierarchische Strukturen und Machtbeziehungen, die auf kolonialen Ideologien basieren. Oft haben Urlaubsschnappschüsse Ähnlichkeit mit den Trophäen aus Kolonialzeiten.

Um dir das bewusst zu machen und dann vor Ort verantwortungsvoller Bilder zu machen, kannst du schon vor der Reise mit der Vorbereitung beginnen:

Vorbereitung

Gib dein Zielland in eine Suchmaschine ein und sieh dir die Bilder an. Hinterfrage diese Fotos! Kannst du welche finden, die etwas anderes zeigen als exotische wilde Tiere und romantisierte Armut? Wie porträtieren Fotografen aus deinem Zielland ihre Heimat?

Ich habe Kenia bei der Google Bildersuche eingegeben und dies ist das Ergebnis:

Allerdings zeigen kenianische Fotografen eine ganz andere Perspektive:

Able to jump mountains with a single bound….. 😬 @wanzalla

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Die Motivation für ein Foto

Es gibt bereits Millionen von Fotos von Giraffen im Sonnenuntergang. Warum mache ich noch eins? Was möchte ich mit meinen Fotos beweisen? Warum jage ich nicht „perfekte Momente“ wie Trophäen? Oft reproduzieren wir die Fotos – und die Vorurteile, die damit verbunden sind – die wir schon so oft gesehen haben.

Landschaft

In Afrika gibt es mehr als Savanne. Es gibt Großstädte mit Hochhäusern, grüne Vororte, Autobahnen, Ortschaften und Einkaufszentren. Mache ich nur Fotos von ländlichen Gegenden, weil sie so exotisch sind, und so anders von den Eindrücken, die du kennst? Wenn wir die Städte und alle Zwischenzonen auslassen, wird das ein unausgeglichenes Bild.

Menschen

Bitte IMMER um Erlaubnis. IMMER. Und betrachte sie nicht als selbstverständlich, selbst wenn sie dir gegeben wird. Manche Menschen werden einverstanden sein, weil du sie überrascht hast. Sie möchten nicht unhöflich sein. Das ist keine Einverständniserklärung zur Veröffentlichung.

Lass uns respektvolle Fotos von Menschen machen. Vermeide Fotos von oben. Dafür müssen die Fotografierten nach oben sehen und das lässt sie klein wirken. Wenn ich ein Selfie mit ihnen mache, wo im Bild erscheine ich? Inmitten dekorativer dunkelhäutiger Kinder? Stehend, während andere Leute sitzen? Lass uns die fotografierten Personen nicht zu Objekten machen.

Bearbeitung

Wenn wir unsere Fotos digital bearbeiten, sollten wir darauf achten, was wir aus ästhetischen Gründen nicht zeigen und warum. Warum wähle ich diese Perspektive? Was lasse ich aus? Eine leichte Kontrastveränderung lässt eine flache Landschaft feindlich und scharf aussehen. Andere Veränderungen können die Hautfarbe aufhellen oder verdunkeln. Die Grenze zwischen ethischer Bildverbesserung und Manipulation ist extrem fein und verschwommen. Lass uns also sehr vorsichtig sein.

Teilen und Veröffentlichen

Noch einmal: Wir brauchen die Erlaubnis der fotografierten Menschen zur Veröffentlichung. Frage die Eltern der Kinder um Erlaubnis.

Neulich fragte mich eine Angestellte in der Kinderbücherei, ob sie ein Foto von unserem Sohn und mir machen dürfte für die Webseite. Ich sagte Nein, weil das unsere Familien-Regel ist. Aber ich bedankte mich, dass sie gefragt hatte.

Kannst du dir vorstellen, dass nicht alle Eltern Fotos von ihren Kindern im Internet veröffentlicht haben möchten? Kannst du die Eltern der Kinder, die du fotografierst, um Erlaubnis fragen?

Soziale Medien sind auch eine Form der Veröffentlichung. Wie würdest du dich fühlen, wenn du eines Tages ein Foto von dir im Internet finden würdest, dass dich als arm oder exotisch darstellt?

Bildunterschriften

Nenne alle Leute auf dem Bild beim Namen, oder niemanden. „Ich und ein paar Kinder“ macht die weiße Person zum Helden, zur Hauptperson, und die Kinder werden zur Dekoration. Wie wäre es mit: „ABC-Schützen der Garden School am letzten Schultag vor den Ferien“?

Lass uns auch vermeiden, Vorurteile zu reproduzieren oder die fotografierten Menschen oder Situationen abzuwerten.

Sicherheit

Große Kameras und Ausrüstungen – aber auch teure Handys – sind eine attraktive Gelegenheit für jemanden, der etwas stehlen will. Wenn ich weder meine Kamera riskieren, noch ständig paranoid um mich schauen möchte, lasse ich meine Kamera einfach zu Hause. So wird der Spaziergang wesentlich entspannter.

Du kannst einen Freund oder einen Fremdenführer fragen, ob es in Ordnung ist, wenn du deine Kamera mitnimmst und Fotos machst.

Gesetze

In Nairobi und an anderen Orten ist es verboten, bestimmte Regierungsgebäude zu fotografieren. Wer Probleme vermeiden will, hält sich an die Regeln.

Keine Fotos machen ist auch eine Option!

Am Anfang einer Reise bin ich immer schüchtern, vorsichtig, überfordert und sehr sensibel – auch was das Fotografieren angeht. Ich habe gelernt, dass das GUT ist!

Lass uns dieses Feingefühl nicht verlieren. Unsere intuitive Zurückhaltung zeigt, dass du dir des komplexen Prozesses der Fotografie bewusst bist. Auch das Nicht-Fotografieren ist ein Ausdruck von verantwortungsvollem Verhalten.

Was sind deine besten Tipps für verantwortliches Fotografieren? Schreib mir unten in den Kommentaren.

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