[VIDEO] 4 Tipps für „authentisches“ Reisen: Im „Ghetto“ von Dortmund

Wir sprechen immer davon, wie authentisch wir reisen.

Wir machen ja keinen Urlaub, sondern wir reisen.

Wir erleben Abenteuer. Wir vermeiden die typischen Touristenpfade, sondern gehen dahin, wo die Einheimischen ihren Alltag leben.

Das alles tun wir im Ausland. Aber warum eigentlich nicht auch in Deutschland?

Ich stelle mich dieser Frage und stürze mich ins Dortmunder Ghetto, auf der Suche nach dem ganz authentischen Reiseerlebnis.

Wenn du auch ganz „authentisch“ unterwegs sein möchtest, helfen dir vielleicht diese Tipps:

1. Kleidung

Wir sind immer Gast in einem anderen Land – und auch in einer anderen Stadt in Deutschland. Es gilt also, sich an gewisse Gepflogenheiten zu halten. Richte deinen Kleidungsstil nach den lokalen Maßstäben aus. Lass die Funktionshose und den Safari-Helm zu Hause. Wenn du nicht auf den ersten Blick aussiehst, wie ein Tourist, wirst du auch nicht immer wie einer behandelt.

In Nairobi zum Beispiel tragen die meisten Männer lange Hosen und geschlossene Schuhe. Mit einer kurzen Hose und Strandlatschen outet man sich nicht nur als Tourist. Man sieht auch einfach aus wie jemand, der nicht allzu ernst genommen werden kann.

2. Öffentliche Verkehrsmittel

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass du mit den Öffis unterwegs bist. So siehst du was vom Land und kannst mit Leuten ins Gespräch kommen, die sich auskennen.

Frag doch die Taxifahrerin gleich noch nach ihren Tipps, die vielleicht nicht im Reiseführer stehen!

3. Verlaufen & nach dem Weg fragen

Pack die Karte oder das GPS weg und lauf einfach los. Lass dich einfach treiben. Geh dahin, wo es schön aussieht und wo es dich hinzieht. So entdeckst du vielleicht die eine oder andere überraschend unspektakuläre Ecke.

Und dann gilt immer: fragen, fragen, fragen. Nach dem Weg zu fragen ist der beste Einstieg in ein Gespräch.

4. Orte jenseits des Reiseführers

Mache einen Spaziergang in einem Wohnviertel. Oder noch besser: Lass dich von einer Anwohnerin dorthin mitnehmen. Lass dich nicht von den Meinungen anderer Reisender beeindrucken, dort sei es „langweilig“ oder dort „gebe es nichts zu sehen“. Gerade an solchen Orten können wir einen ziemlich guten Einblick in die Wohn- und Lebenssituationen der Menschen gewinnen.

Machen diese Punkte mein Reisen wirklich „authentischer“?

Das Problem mit dem Wort „authentisch“, das in vielen Reiseberichten auftaucht, ist seine Verbindung mit einer Wertung. Wir Reisende aus dem globalen Norden glauben nämlich zu wissen, wie „das wahre Indien“ oder „das authentische Afrika“ ist. Und das geht meistens mit einer unbewussten Abwertung einher.

„Authentisch“ bedeutet dabei ungewollt auch „arm“, „schmutzig“, „einfach“, „unterentwickelt“.

Dabei gehören Dinge wie Co-Working Spaces, Autobahnen, Subkulturen und Solaranlagen ebenso zum „wirklichen“ globalen Süden. Nur glauben wir, wir hätten die Definitionsmacht darüber, wie „das echte Leben jenseits der Touristenpfade“ aussieht.

Genau so funktioniert Rassismus: Wir machen Menschen, die wir einer „Kultur“ oder einer Gegend zuordnen, zu Objekten mit bestimmten Eigenschaften. So wird Menschen eine eigene Identität, eine Individualität und selbstbestimmtes Sein und Handeln abgesprochen.

(glokal e.V.: Mit kolonialen Grüßen…)

Wie gesagt, das geschieht erstmal unbewusst. Und wenn man erstmal darüber nachdenkt, wird alles noch viel komplizierter. Ich unterstelle dir hier also keineswegs irgendwelche fremdenfeindlichen Gedanken.

Was aber können wir tun?

  • Lass uns nicht über „authentisch“ oder „unecht“ debattieren. Es hilft, kurz darüber nachzudenken, was diese Wörter eigentlich bedeuten. Dann wird uns schnell klar, dass diese Wertung von Erlebnissen unerheblich ist.
  • Was zählt, ist das Erlebnis selbst. Kannst du es einfach so beschreiben, wie es war? Ohne Kategorien oder Wertungen zu bedienen?
  • Lass uns überlegen, woher wir diese Idee haben, schon zu wissen, was „authentisch“ ist und was nicht. Und dann lass uns nach Eindrücken suchen, die mit genau diesen Vorstellungen brechen.

Was denkst du? Lass es mich untern in den Kommentaren wissen!

4 Gedanken zu „[VIDEO] 4 Tipps für „authentisches“ Reisen: Im „Ghetto“ von Dortmund

  1. Ein sehr schöner Beitrag, der zeigt, dass mit dem Wort „authentisch“ immer eine gewisse Erwartungshaltung verbunden wird. Wenn wir „authentisch“ sagen, meinen wir oft Folklore, Einfachheit, vielleicht auch, dass unser Bild von einer Kultur, so wie wir es im Kopf haben, auch erfüllt wird. Doch ist der Bänker in Indien nicht genauso authentisch wie der Bettler? Ist denn der indische Bedienstete in Katar, der versucht, uns, den Touristen/Besuchern einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen, weniger authentisch als die in lange Gewänder gehüllten Kataris? Doch Du hast es am besten in Worte gefasst, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Die sog. „Authentizität“ einer Reise ist das, was wir antreffen und nicht das, was wir anzutreffen erwarten. Diese und ähnliche Gedanken gingen mir schon länger durch den Kopf.

    1. Die sog. „Authentizität“ einer Reise ist das, was wir antreffen und nicht das, was wir anzutreffen erwarten.

      Das hätte ich nun nicht besser ausdrücken können, liebe Kasia! Leider machen wir uns viel zu oft nur auf die Suche danach, was wir anzutreffen erwarten.

    1. Von DIR hab ich gerade dafür so viel Inspiration! DAS ist geil!
      Und weil ich ohne deine Hilfe gar nicht drauf gekommen wäre: Wilde Tiere in der unberührten Natur und traditionelle Tänze gibt’s auch in Dortmund – siehe Video!

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