Lenas Artikel im Juli: Architektonische Konzepte

Ich bereite mich auf mein Auslandssemester unter anderem mit viel Lesen über die japanische (Bau-)Kultur vor. Wie in meinem Video schon erwähnt, lese ich dafür neben anderen Quellen die deutsche Bauzeitung, die mir mein Professor ausgerechnet vor meinem Auslandssemester geschenkt hat. Viel Inspiration. Als ich so in der Sonne lag, die Semesterferien genießend, bei gefühlt 40 Grad im Bikini vor unserem Pool im Garten, las ich den ersten Artikel der Ausgabe 06.2018 über das neue Mount Fuji World Heritage Centre in Fujinomiya von Star-Architekt und Pritzker-Preisträger Shigeru Ban.

Er hat das Wahrzeichen, mit 3776 m Höhe den höchsten Berg Japans und zugleich noch Vulkan in ein Gebäude interpretiert. Shigeru Ban stellt ihn auf den Kopf und lässt die Besucher dieses Museums an der Innenseite entlang auf einer sich nach oben öffnenden Spirale nach oben wandeln. Die Besteigung des Berges – nur umgekehrt. Außenrum wurde eine Wasserfläche entworfen, in welcher sich das trichterförmige Gebäude mit seiner Holzgeflecht-Verkleidung als Berg widerspiegelt. Fuji 2 sozusagen. Ich stehe diesem “Klon” insofern kritisch gegenüber, da er mir zu offensichtlich erscheint. Ich bin für leise Architektur, die auf den zweiten Blick begeistert!

By Mr.Asylum [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons
Ich frage mich: Braucht Shigeru Ban hier ein Statement? Und “kopiert” das tiefgründigste Merkmal der japanischen Kultur in Eigeninitiative? Oder huldigt er ihn damit? Wäre das meine Absicht gewesen, hätte ich zurückhaltender entworfen.

By Indiana jo [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons
Der zweite Artikel über architektonisch herausragende Architektur in Japan in der deutschen Bauzeitung handelt von einem Entwurf Tadao Andos, ebenfalls Pritzker-Preisträger, die höchste Auszeichnung für Architekten. Doch seine Einstellung ist eine ganz andere. Die Art, wie Ando mit dem sogenannten Genus Loci, dem Geist eines bestehenden Ortes, mit seinem Konzept umgeht, ist subtil, demütig und respektvoll. Diese Art zu bauen kommt mir bekannt vor. Einer meiner favorisierten Professoren, der Tessiner Architekt Claudio Cavadini brachte uns während unseres Bachelorstudiums seine drei Hauptansprüche bei: Das In- und Auswendig-Kennen des zu behandelnden Gebäudes, die Demut vor dem umgebenden Ort und der damit leise Eingriff in die bestehende Bausubstanz. So wie Aldo Rossi sagte: Bauen heißt Zerstören. Zerstöre mit Vernunft.

Der Artikel, den ich da so in der Sonne liegend las, beschrieb, wie Tadao Ando die liegende Skulptur Buddhas mit einem künstlichen Hügel umgibt. Jedoch begräbt er den Buddha damit nicht, sondern steigert vielmehr die Entdeckung des Heiligtums, indem er diese zuspitzt. Von außen sieht der Besucher nur den geheimnisvollen, rosettenbedeckten Kopf der  Skulptur, der aus der Vegetation auf dem Hügel hervorschaut. Dann taucht er selbst langsam in diesen ein, um durch einen Tunnel direkt vor dem Heiligen anzukommen. Meiner Meinung nach die gegenteilige, genauso berechtigte, jedoch mir viel mehr zusagende architektonische Einstellung, welche ich tagtäglich für mich zu definieren versuche.

Grundsätzlich versuche ich also die Kultur, genauso wie die Architektur in meinem zukünftigen Zielland Japan nicht nur aus einer Perspektive zu sehen. Ich möchteganzheitlich betrachten und jede Facette gleichwertig studieren, um selbst offener zu werden und meinen Horizont zu erweitern.

Und dadurch wächst meine Vorfreude!

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