Lisas Artikel im Juli: Mittendrin – ein kurzer Reisebericht

Mittendrin – ein kurzer Reisebericht

Das erste Mal Europa verlassen habe ich am 24. März 2018 auf meinem Flug nach Nairobi, Kenia. Mein Schwager war zu diesem Zeitpunkt seit einem Monat mit seiner Frau (meiner Schwester) und deren Kind zu Besuch bei seiner Familie auf dem Land. Da ich als Berufstätige nur begrenzt Urlaub nehmen kann habe ich mich für zwei Wochen entschieden, in denen ich die drei sozusagen dort besuche.

Bedenken/ Ängste vor der Reise:

  1. Diebstahl: Muss ich meinen großen Reiserucksack und meinen kleinen Handgepäcksrucksack während der zehnstündigen Busfahrt aufs Land mitnehmen, falls ich während der Pause den Bus verlasse, weil mir sonst mein Hab und Gut geklaut wird?
  2. Kleidung: Wie kurz darf die getragene Hose sein? Dürfen meine Schultern sichtbar sein?
  3. Schmuck/ Schminke: Gelte ich als abgehoben und wohlhabend, wenn ich mich schminke oder Schmuck trage?
  4. Manieren: Mit welcher Hand wird gegessen? Wird zur Begrüßung die Hand gereicht? Muss ich beim Betreten eines Hauses meine Schuhe ausziehen? Wird vor dem Essen gebetet?

All diese Bedenken und Fragen wurden mir vor der Reise ausführlich von meiner Familie beantwortet. Meine älteste Schwester war bis dato schon etliche Male in Kenia gewesen und meine anderen zwei Geschwister und Eltern waren gemeinsam im Mai 2013 zum ersten Mal dort und konnten mir deshalb mit eigenen Berichten und guten Ratschlägen den Wind aus den Segeln nehmen. Durch sie fühlte ich mich bestens auf meine Reise vorbereitet und konzentrierte mich auf die Spannung, die Vorfreude und den anstehenden Urlaub.

Eintauchen in eine neue unbekannte Welt/ Die Antworten auf meine Fragen:

  1. Diebstahl: Die kleinen Gepäckstücke haben sowieso immer alle bei sich, um auf Taschentücher für öffentliche Toiletten oder den Geldbeutel beim Kaufen eines Snacks zugreifen zu können. Die großen Rucksäcke und Koffer bleiben entweder unter dem Sitzplatz oder werden auf die dafür vorgesehene Ablage im Bus verteilt. Ich persönlich war nicht Zeuge eines Diebstahls, wurde aber angehalten, abends in Nairobi meine Taschen vorne am Bauch zu tragen.
  2. Kleidung: Um nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit der Menschen auf mich und meine helle Hautfarbe zu ziehen, entschied ich mich für lange Röcke oder Hosen bis zum Knie. Oberhalb trug ich meistens Tshirts und einen Hut, auch um mich vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen. Aufgefallen bin ich so oder so, auch unabhängig von meiner Kleidung.
  3. Schmuck/Schminke: Armbanduhren sind wohl von großer Beliebtheit und werden von Männern getragen, die viel von sich halten oder allgemein angesehen sind. Gut gekleidete und oft berufstätige Frauen tragen schönen bunten Schmuck, dazu zählen auch farbige Tücher auf dem Kopf. Ich entschied mich gegen Schminke, damit sich meine Haut vom geschminkten Arbeitsalltag erholen und von der Sonne profitieren kann. Auf Schmuck verzichtete ich auch, weil ich es in diesem Kontext als unnötig empfand.
  4. Manieren: Ich aß mit der rechten Hand, weil ich Rechtshänderin bin. Bei Eintöpfen und Soßen gab es auch immer einen Löffel dazu. Ich wurde meistens mit Handschlag begrüßt und streckte neuen Bekanntschaften auch immer die meine entgegen, weil das meiner Art entspricht und ich meinem Gegenüber Offenheit und Höflichkeit entgegen bringen wollte. Beim Betreten des Hauses habe ich meine Schuhe ausgezogen, weil es in diesem Teil der Welt so üblich ist und ich die mir fremde Kultur mit Respekt und Anerkennung behandeln wollte. Vor dem Essen haben wir gebetet, was meine Schwester und ihre Familie aber auch in Deutschland so handhaben und es für mich deshalb nichts Neues war.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Ängste, Befürchtungen und Bedenken zu haben ist wichtig. Diese Eigenschaft gehört zum gesunden Menschenverstand und dient dem Selbstschutz vor möglichen Gefahren. Viel besser geht es dir, wenn du sie im Voraus aus der Welt schaffen kannst. Dann kannst du dich ganz entspannt auf die Dinge konzentrieren, die dich glücklich machen, die dich aufgeregt und gespannt sein lassen auf deine anstehende Reise. Im Handbuch der VorFreudeBereitung lautet Kapitel vier #Wie Sprache Rassismus transportiert. Wie gesagt darfst du dich fragen, was auf deiner Reise anders sein wird als du es gewohnt bist, allerdings kannst du dich genau so fragen was zum Beispiel genau gleich sein wird wie in deiner Heimat. Betrachte beide Seiten der Münze und lasse sowohl Ängste als auch Vorfreude zu, um offen und gespannt deine Reise anzutreten.

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