Lukas’ erster Artikel im August

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Am 6. Juli 2018 wurde Shōkō Asahara in Tokio hingerichtet. Er und die von ihm gegründete Sekte Ōmu Shinrikyō waren unter anderem für den Giftgasanschlag in der Tokioter U-Bahn 1995 verantwortlich. Japan ist eines von laut Amnesty International 56 Ländern, die die Todesstrafe anwenden (Stand 2017). Als ich von der Hinrichtung las, traf mich das sehr. In meinen Augen ist die Bestrafung mit dem Tode nicht zu rechtfertigen. Ich finde sie barbarisch und hielt sie lange für ein Relikt aus dem Mittelalter. Der Anschlag auf die U-Bahn in Tokio kostete 13 Menschen das Leben und erfolgte aus religiösem Fanatismus. Der ist genauso barbarisch und ich hielt ihn lange ebenso für ein Relikt aus dem Mittelalter. Ich denke, das ist auch der größte Punkt. Wie kann man jemanden dafür verurteilen, dass er einem Menschen das Leben genommen hat und sich dann als Konsequenz exakt das anmaßen, wofür man ihn verurteilt? Es ist mit eine der schlimmsten Formen von Doppelmoral und sie wird noch heute von einigen Nationen begangen.

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie ich damit umgehen soll, dass ich in ein Land reisen werde, das die Todesstrafe verhängt und vollzieht. Kann ich dort eine gute Zeit mit meiner Familie verbringen mit dem Wissen, dass viele Inhaftierte seit Jahrzehnten im Todestrakt ausharren und auf ihre Exekution warten? In Japan zur Todesstrafe verurteilte Verbrecher erfahren erst Minuten vor ihrer Hinrichtung davon, dass man ihnen durch Erhängen ihr Leben nimmt. Ich kann und will vor dieser Grausamkeit meine Augen nicht verschließen. Es wäre allerdings gefährlich ein ganzes Land über einen Kamm zu scheren und seine Bevölkerung nur über ein Gesetz zu definieren. Ich habe mir vorgenommen, Japan und seine Menschen trotz all dem kennen zu lernen und mir ein eigenes Bild zu machen, denn ein Mensch wird nicht von den Entscheidungen seiner Regierung definiert. Wer weiß, vielleicht ergibt sich sogar die Möglichkeit, mit jemandem über sein oder ihr Verhältnis zur Todesstrafe zu sprechen. Ich will auf keinen Fall den Fehler begehen, Vorurteilen zu verfallen oder die Menschen zu verurteilen.

 

Shōkō Asahara was executed in Tokyo on the 6th of July 2018. He and the doomsday-cult Ōmu Shinrikyō, which he founded, were responsible for the gas attacks on the Tokyo subway 1995. According to amnesty international, Japan is one of 56 countries, in which the death penalty is used (data from 2017). When I read about the execution, I was shocked. The way I see it, no one can justify death penalties. I find it barbaric and thought of it for a long time as a relic from the Middle Ages. The attack of the Tokyo subway claimed 13 lives and was committed out of religious fanaticism. That is equally as barbaric and I also thought for a long time it is a relic from the Middle Ages, which is my whole point. If you convict someone for taking another person’s life, how can the sentence be to take his life? It is one of the gravest forms of double standards and is done by many countries still today.

I thought a lot about how I can handle going to a country sentencing people to death and executing them. Can I have a nice time there with my family, knowing full well that many inmates spend decades in a cell waiting for their execution? People on death row in Japan only get informed about their execution by hanging minutes before it is done to them. I can’t and won’t turn my eyes from such an atrocity. It would be dangerous, however, to define a country and its people with just a law. I told myself to get to know Japan and the people there and see for myself, because no one is defined by the decisions of his or her government. Maybe there will be situations where I can talk to someone in Japan about what their relationship to the death penalty is. What I don’t want to happen is that I condemn people on the base of prejudices.

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