Lukas zweiter Beitrag im Juni

Japan war für mich schon immer interessant. Nicht so sehr, als dass ich weiß, wer 1964 zweiter
Bürgermeister von Tokyo war, sondern viel mehr aus Gründen, die sich aus dem Dasein als
achtjähriger Junge ergeben: Samurai, Ninjas, Yakuza, Kamikaze. In meinem infantilen Weltbild ritten
die Menschen in Japan Drachen auf dem Weg zur Arbeit in der Katana-Schmiede und trugen dabei
wenn möglich noch bunte Rüstungen aus Papier.
Vierzehn Jahre später sitze ich hier, versuche einen Artikel darüber zu schreiben, was mich heute an
Japan fasziniert und siehe da, es sind Samurai. Nein, Spaß beiseite. Das Land hat auf mich immer
noch eine gewisse Anziehungskraft, auch wenn die nicht mehr von romantisierten Klischees rührt,
sondern von ehrlich gesagt ein wenig langweiligeren Themen. Ich habe bei einem Gastvortrag eines
Dozenten der Universität Cardiff gelernt, dass in der Präfektur Chiba die weltweit größte Produktion
an Iod beheimatet ist. Das fasziniert mich als ordentlichen Studenten der Chemie. So schnell geht
das. Von den sagenumwobenen Welten der tapferen Krieger und deren Kodex zu – Iod. Man wird
erwachsen und bekommt Schmetterlinge im Bauch, wenn man von Oxidationen durch neue
Periodane hört.
Neben Elektronentransfer und Halogen-Komplexen habe ich eine andere Leidenschaft: deutschen
Rap. Ich verstehe, wenn man sich jetzt die Frage stellt: „Ja und?“ und möchte sie beantworten. Zwei
von mir beinahe gottgleich verehrte Rapper sind Juse Ju und Edgar Wasser. Besonders ersterer
thematisiert in manchen seiner Texte seine Jugend, die er in zum großen Teil auch in Japan verbracht
hat. Sie handeln oft von den Kontrasten, die sich auftun, besonders wenn man das Land mit
„westlichen“ Dunstkreisen vergleicht und haben zeitweise einen Tiefgang, der in mir eine Faszination
für die Kultur Japans weckt. Ich möchte zumindest einen Teil davon selbst erleben und herausfinden,
was es damit auf sich hat.
Was mir auffällt, während ich diesen Text hier tippe, ist, dass mein Interesse für Japan im Speziellen
und hoffentlich für viele andere Länder im Allgemeinen sich nie aufgelöst hat. Es hat sich gewandelt
und mir angepasst, aber es ist nie verschwunden. Auch deshalb freue ich mich sehr darauf, dieses
wohl auch mit Klischees durchzogene Interesse auf die Probe zu stellen und Japan bald selbst erleben
und genießen zu dürfen.

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