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Warum keine Packliste wirklich funktioniert

Und 3 universelle, minimalistische Packtipps für jede Reise und jede Packliste: egal wohin, egal wie lange.

Es gibt unzählige Packlisten in den Weiten des Internets. Eine Packliste für Weltreisen, eine Packliste für alleinreisende Frauen, eine Packliste für Familien, eine Packliste für Backpacker. Manche kann man einfach so einsehen, für andere musst du deine Emailadresse eintragen. Manche haben gleich direkte Links zu einem Onlineshop, wo man sich seine Utensilien zusammenstellen kann.

1. Problem: Unterschiedliche Reisearten

Schon an der Auflistung oben erkennst du die erste Schwierigkeit: Verschiedene Arten zu Reisen bieten unterschiedliche Ausgangsbedingungen zum Packen. Wenn du als Backpackerin drei Monate in Australien unterwegs bist, brauchst du wahrscheinlich anderes Gepäck als wenn du in Davos drei Tage Wellnessurlaub machst. Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Reiseländern und Klimazonen. Selbst die Packlisten von Backpackern unterscheiden sich schnell, wenn der eine nach Indonesien und der andere nach Kanada aufbricht.

Aber das lässt sich ja spezifizieren. Es gibt Webseiten und Blogger, die sich auf deinen Reisestil spezialisiert haben und dir deswegen eigentlich eine Packliste anbieten können, die genau zu deiner Art zu reisen passt.

2. Problem: Unterschiedliche Reisende

Das nächste Problem ist jedoch, dass die Menschen verschieden sind. Ich persönlich würde zum Beispiel von mir selbst behaupten, dass ich einigermaßen minimalistisch unterwegs bin. Ich war zum Beispiel nur mit Handgepäck und dafür mit Säugling in Indien. In vielen minimalistischen Packlisten wird mir deshalb ans Herz gelegt, mir einen E-Reader zu besorgen und die schweren Bücher aus Papier zu Hause zu lassen. Dazu bin ich aber eine zu nostalgische Seele. Im ewigen Krieg zwischen elektronischen und Papierbüchern werden bei mir immer die aus Papier gewinnen. Und damit ist schon ein Punkt einer eigentlich so passenden Packliste gar nicht mehr hilfreich.

Mit den so oft empfohlenen Schlafmasken kann ich auch nichts anfangen. Ich brauche jedoch immer mein Brillenetui. Gar nicht so sehr für die Brille. Die landet meistens einfach auf dem Nachttisch. Aber für allerlei Kleinkram, den ich nicht lose in der Tasche herumfliegen haben möchte. Wenn du jetzt aber gar keine Brille hast, und damit auch kein Brillenetui, dann hilft dir dieser Punkt wenig. Vielleicht ist für dich eher die Kontaktlinsenflüssigkeit essentiell.

Darum gilt, dass Packlisten immer als Empfehlung und Übersicht gelten müssen und niemals in Stein gemeißelt sind.

3. Problem: Du bist noch nicht bereit!

Das größte Problem mit Packlisten ist jedoch, dass sie dir immer weismachen wollen, dass du erst noch dieses oder jenes bräuchtest, bevor du aufbrechen kannst. Wage es nicht, in den Flieger zu steigen, ohne einen ergonomischen Rucksack. Wenn du keine Ohrenstöpsel hast, kannst du das Reisen auch gleich sein lassen. Ohne einen Sarong wird deine Reise nur halb so schön.

So hilfreich und gut gemeint die Tipps aller Packlisten sind: Lass dir niemals einreden, du hättest nicht schon alles, was du brauchst, um zu reisen.

Ich war auf dem Jakobsweg unterwegs mit einem ausgeliehenen Rucksack einer entfernten Bekannten. Plastiktüten und Klopapier bewiesen sich als die hilfreichsten Begleiter.

Ich bin mit einem ganz normalen Fahrrad, das ich schon hatte, von Deutschland bis nach Schweden geradelt und verstaute mein Gepäck in den Fahrradtaschen meiner Mutter. Geschlafen habe ich in einem 17-Euro-Zelt von Ebay, das ich noch mit einer Regenplane abdecken musste, weil es nicht dicht war.

Ich weiß also, wovon ich spreche.

Natürlich brauchst du für eine Bergtour passende Schuhe. Selbstverständlich ist es nicht schlecht, in Gebieten mit höher Mückendichte einen Mückenschutz dabei zu haben. Aber vielleicht hast du diese Dinge ja sowieso zu Hause herumstehen. Oder du kannst sie von jemandem leihen oder gebraucht kaufen.

Die größte Ausrede, warum Menschen nicht reisen, ist: Ich kann es mit nicht leisten.

Wenn Geld so ein großes Problem darstellt, dann lass dich nicht davon überzeugen, dass du noch unbedingt einen Markenschlafsack oder ein super praktisches und super teures Packsystem bräuchtest.

Manche Empfehlungen sind auch einfach wirklich nicht passend.

Ich rate zum Beispiel jedem von einem Bauchgelbeutel ab. Kennst du diese Sicherheitsgürtel, die man um den Bauch unter dem Oberteil trägt und wo man Geld drin verstaut? Gerade unter Afrika-Reisenden ein Renner. Nur fällst du dermaßen auf, wenn du unterwegs dein Oberteil hochhebst (!) um daraus möglichst “unauffällig” ein paar Geldscheine zu fischen, um etwas zu bezahlen, dass alle Menschen, die sich potentiell illegal an dir bereichern möchten dann auch definitiv wissen, dass es bei dir sicher etwas zu holen gibt.

Beliebt ist auch die Empfehlung einer Stirnlampe, also einer Taschenlampe, die man auf dem Kopf trägt. Natürlich wäre die praktisch, wenn ich in meinem kenianischen Zuhause nachts aufs Klo möchte. Ich hätte beide Hände frei und gute Beleuchtung. Meine Schwiegermama hat genau so eine geschenkt bekommen, von einem südkoreanischen Freiwilligen. Sie hat sie bis jetzt jedoch noch nie auf dem Kopf gehabt, sondern trägt sie immer in der Hand. Es sieht einfach zu bescheuert und aus, wie ein Höhlenforscher mit leuchtendem Zyklopenauge nachts aufs Klo zu gehen. Das ist selbst ihr zu peinlich.

Lass dir keine Angst einjagen!

Du wirst dich nicht gegen alle Eventualitäten wappnen können. Du wirst immer Dinge dabei haben, die du nicht benutzt, und andere vermissen, die du zu Hause gelassen hast. Erstere kannst du verschenken. Letztere kannst du meistens einfach nachkaufen.

Du bist bereits perfekt ausgestattet.

Du bist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Du musst nicht noch dies oder jenes haben, um zum “perfekten Reisenden” zu werden.

So packe ich:

1. Notizen machen

Ich habe einen Klebezettel in meinem Kalender, der mich überall hin begleitet. Immer, wenn mir etwas durch den Kopf schießt, was ich unbedingt mitnehmen und keinesfalls vergessen sollte, schreibe ich es auf diesen Zettel. Damit ist es aus dem Kopf und die Panik, etwas zu vergessen, ist geringer.

2. Das Packspiel

Ein oder zwei Tage vor Reisebeginn gehe ich mit einem kleinen Korb durch jeden Raum. Alles, von dem ich glaube, dass es mit muss, kommt in den Korb. Bevor ich den Raum verlassen, versuche ich die angesammelten Sachen so weit wie möglich zu reduzieren. Erst dann bringe ich sie auf mein Bett und gehe dann in den nächsten Raum. Dabei beachte ich auch alle Punkte auf dem Klebezettel. Meistens kommt dadurch ein ganz guter Stapel zusammen. Und dann stelle ich mir eine Herausforderung: Kannst du diesen Haufen um die Hälfte reduzieren? Brauchst du dieses Teil wirklich? Kannst du nicht auch vor Ort etwas Passendes kaufen, womöglich zu einem günstigeren Preis?

3 universelle Richtlinien für minimalistisches Packen

1. Packe nur Dinge ein, die mehrere Funktionen haben.

Also eine Seife, die dir Haut, Haare, Hände und Wäsche wäscht, zum Beispiel. Oder Schuhe, die bequem, sicher und vorzeigbar sind.

Achtung, das gilt NICHT für sogenannte “Funktionskleidung”. Damit outest du dich einfach nur als Tourist und siehst unterwegs komisch aus. Viel besser ist Kleidung, in der du dich wohlfühlst, die dem lokalen Dresscode angepasst und dabei noch salonfähig ist.

2. Packe nur Dinge ein, die du mindestens zweimal pro Woche benutzen wirst.

Damit fliegen Ballkleid und Stöckelschuhe schon mal raus. Aber zum Beispiel auch Wanderschuhe oder Tauchausrüstung. Für solche einmaligen Erlebnisse kann man vor Ort immer Ausrüstung ausleihen.

3. Alle “Nur-für-alle-Fälle”-Sachen bleiben zu Hause.

Denn diese “Fälle” spielen sich hauptsächlich in deinem Kopf ab und treten nie ein.

Hilfreiche Packlisten, die auch diese Zusammenstellung inspiriert haben und meinen eigenen Packstil immer wieder herausfordern, gibt’s bei Conni von Planet Backpack und bei Leo von Zen Habits.


Möchtest du noch ein bisschen an die Hand genommen werden bei der Reiseplanung? Dann ist meine Email-Serie VorFreudeBereitung genau das Richtige für dich. Da bekommst du abgestimmt auf dein Abreisedatum regelmäßig Emails von mir, die dich punktgenau zum richtigen Zeitpunkt an alles erinnern, was du wann vorbereiten musst.

Ich habe sie für meine Schwester entworfen, um sie auf ihren ersten Besuch in Kenia vorzubereiten. Das ist also ein sehr persönliches Projekt und es ist viel Liebe reingeflossen. Außerdem arbeite ich im Moment noch dran. Es ist also eine Art Beta-Version und deswegen NOCH kostenlos. Wenn das für dich interessant klingt dann trag dich gleich ein.

Wie viele Wochen sind es noch mindestens bis zum Beginn deiner Reise?

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