selbstfindung reise

Erkunde die Welt. Finde dich selbst.

Warum eine Reise immer auch ein Selbstfindungstrip ist.

Unterbrechung

Eine Reise bedeutet immer Aufbruch und Ausbruch, raus aus dem Gewohnten, raus aus dem Bekannten. Eine Reise ist eine Unterbrechung des Alltags und reißt uns damit aus sämtlichen Routinen. Dadurch kommen wir auch aus dem Autopilot raus, der sich schnell einschleicht, wenn wir immer das Gleiche tun und sehen.

Bei mir dreht sich zum Beispiel gerade alles um die Kinder, veganes Essen, unsere neue Wohnung, den Schrebergarten und den Haushalt. Ein richtig klischee-mäßiges Hausfrauenleben also. Das fiel aber ausnahmslos alles weg, als wir wieder mal nach Kenia aufbrachen. Für den Haushalt und die Kinder sorgt dort fantastischerweise meine Schwiegerfamilie. Veganes Essen konnte ich dort knicken und unsere neue Wohnung und der Schrebergarten waren viel zu viele Kilometer entfernt, als dass es sich gelohnt hätte, darüber nachzudenken. In den Vordergrund traten das Wasserholen, die Beziehungen zu den lieben Leuten, die mich umgaben und die Frage, ob wir uns vielleicht dort ganz niederlassen könnten.

Durch den Ortswechsel und die neuen Bedingungen haben plötzlich ganz andere Dinge Priorität.

Das Gedankenkarussell nimmt zumindest eine andere Richtung, wenn es nicht sogar ganz aufhört, sich zu drehen. Eine neue Umgebung schaltet Glaubenssätze, die im Hintergrund unseres Bewusstseins ungefragt in Dauerschleife laufen, auf lautlos und schafft so Raum für tiefgehendere Gedanken.

Sinne

Eine Reise fordert zudem all unsere Aufnahmefähigkeit. Wir sind neuen Geschmäckern, Gerüchen, Geräuschen, Eindrücken, Berührungen und Gefühlen ausgesetzt. Wir werden wacher. Vielleicht geht unser Körper sogar erstmal in eine Gefahrenhaltung, weil alles so neu und ungewohnt ist.

Plötzlich merken wir, was es noch alles gibt, was wir noch ausprobieren können. Wir werden achtsamer und sammeln diese Eindrücke, die unterwegs viel einfacher zu bemerken sind als zu Hause. Wir bekommen richtig Hummeln im Hintern und werden wieder ein kleines bisschen Kind. Die Welt ist unser Spielplatz. Erwachsene, vernünftige Einwände, die uns zurückhalten könnten, werden auf Reisen hinterfragt und oft genug einfach übergangen.

Jedesmal, wenn ich mich am ersten Abend in Kenia ins Bett lege, bin ich überwältigt von der Geräuschkulisse. Da unser Haus zwischen Dach und Wand eine Lücke zur Ventilation hat, fließt das nächtliche Konzert ungefiltert herein. Verschiedenste Nachtvögel, zirpende Insekten, das stille Rauschen der Pflanzen und Bäume, raschelnde kleine Tiere, der Wasserfall in der Ferne, Bässe einer Party, ein hupender Kleinbus, jemandes Gelächter, eine pinkelnde Kuh, anschlagende Hunde – all das führt immer dazu, dass ich mich frage, was ich abends eigentlich in Deutschland höre. Selbst bei geschlossenem Fenster gibt es da einige Geräusche, ich nehme sie nur schon gar nicht mehr wahr. Ich muss erst tausende Kilometer zu einem anderen Bett in eine andere Nacht reisen, um mir meiner alltäglichen Umgebung wieder bewusst zu werden.

Perspektive

Wann immer ich auf Reisen bin, denke ich mehrmals am Tag: Ach, so geht es auch!

  • Ach, man muss das benutzte Klopapier nicht ins Klo werfen. Man kann es auch in einem Mülleimer sammeln. (Litauen)
  • Ach, man kann auch abends um acht, mitten in der Chorprobe, noch Kaffee trinken und Kuchen essen. (Schweden)
  • Ach, man kann kleinen Kindern auch die Verantwortung für noch kleinere Kinder übergeben und alles geht gut. (Kenia)
  • Ach, man kann also auch den winzigsten Raum in eine erholsame grüne Oase verwandeln. (Japan)
  • Ach, Schule – Studium – Job muss nicht der beste, beliebteste, einzige Weg sein. Unternehmertum ist immer eine Option. (Indien)

Zu Hause denken wir gerne, unsere Art und Weise, etwas zu tun, sei die einzig richtige. Unsere Meinung sei die einzig gute. Unser Lebensstil sei der einzig vernünftige. Eigentlich sollten wir in der Lage sein, solche Denkweisen aus uns selbst heraus zu hinterfragen. Aber das ist ganz schön schwer, weil man da einfach so drinsteckt. Über den Umweg durch ein anderes Land und eine andere Kultur wird uns wieder bewusst, dass unsere Ansicht, unsere Lebensweise, unsere Denkart, unsere Meinung nur eine von vielen ist. Das setzt so einiges in Perspektive und macht bescheiden.

Strapaze

Reisen bringt uns an unsere Grenzen. Das müssen nicht mal eine Bergbesteigung oder ein weit entferntes, ganz fremdes Land sein. Neue Essgewohnheiten, eine unbekannte Sprache, kaum durchschaubare soziale Regeln oder unerwartete Reiseerlebnisse reichen da schon aus.

Auch ich hatte schon so einige grenzwertige Erlebnisse auf Reisen, die meine innere Stärke und meine Kreativität jedesmal herausforderten:

  • Wie kommuniziere ich nur diesen kenianischen Kindern, dass ich jetzt mal meine Ruhe haben will? – Ich wende endlich mein Swahili an, für das ich mich bisher eher geschämt habe.
  • Wie unterhalte ich meine vom Jetlag geplagten, routinebedürftigen eigenen Kinder in Japan? – Indem wir gemeinsam den riesigen Spielplatz nebenan erkunden.
  • Wie überstehe ich die Zeit allein mit Kind und erstmal ohne Mann in Indien? – Mit katholischen Priestern im duistischen Tempel.
  • Ich bin mit dem Fahrrad von Deutschland nach Schweden gefahren und habe gezeltet. Doch nun wird es kälter und ich muss noch ein Stück nach Norden. Wie reise ich weiter? – Das erste Mal trampen!

Manchmal ist es erst eine Reise, die uns neue Herausforderungen stellt und uns zeigt, was wir eigentlich draufhaben.

Rückblick

Und schließlich werden die Anekdoten und Geschichten unserer Reisen Teile unserer Biografie. Immer und immer wieder erzählt. Auf einem Foto festgehalten und gut sichtbar aufgehängt. Eine Reise fließt in unser Leben ein und macht uns zu den Menschen, die wir heute sind. Sie verändert uns und sie führt uns zu uns selbst.

Was hast du auf Reisen erlebt, was dich näher zu dir selbst gebracht hat? Schreib mir unten in den Kommentaren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.