unbekannte reiseziele

So findest du wirklich unbekannte Reiseziele

Wir Individualreisende brüsten uns immer damit, wie authentisch und nah an den Locals wir unterwegs sind – oder zumindest sein wollen. Die schönsten Fotos sind doch die, auf denen nur wir und sonst ein Haufen Gegend zu sehen ist. Weitab aller Touristenströme. Aber selbst auf meiner Tour durch Riga und Tallinn fiel mir nichts Besseres ein, als der vorgegebenen Route des Touristen-Magazins zu folgen.

Doch es gibt sie, die Möglichkeit, wirklich unbekannte Reiseziele zu finden und jenseits der ausgetretenen Pfade unterwegs zu sein.

Warum du das in Erwägung ziehen solltest?

Unbekannte Reiseziele bieten einen Haufen Vorteile:

1. Günstiger!

Wo viele Reisende pro Tag durchkommen, wird alles schnell teurer. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Die meisten sind im Urlaub und deswegen in gönnerhafter Spenderlaune. Wo sonst nur die Anwohner speisen, leben und Sachen unternehmen, zahlst du auch “nur” den Preis, der deren Niveau angepasst ist.

2. Nachhaltiger!

Touristenströme verursachen Lärm, Müll, höheren Strom- und Wasserverbrauch, mehr Verschmutzung… Menschenmassen bringen nicht nur das ökologische, sondern auch das ökonomische und soziale Gleichgewicht vor Ort durcheinander. Die Anwohner leiden unter diesem Druck und nicht immer können alle vom Tourismus profitieren.

Wer an weniger oder kaum frequentierten Reisezielen unterwegs ist, ist in diesem Moment automatisch nicht an einem Ort des Massentourismus. Natürlich erscheint das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn einer mehr oder weniger auf den Hauptstraßen in Barcelona oder Chiang Mai kann noch lange nichts ausgleichen. Das schaffen nur die Verwaltungen an diesen Orten selber, die vielleicht den Zugang für Reisende streng kontrollieren müssten.

Außerdem ist das Ganze ein zweischneidiges Schwert: Wenn du an einen unbekannten Ort reist und davon berichtest, reisen vielleicht auch bald andere hin.

Was du jedoch im Moment tun kannst, ist tatsächlich, überlaufene Orte zu meiden und wirklich unbekannte Reiseziele zu bevorzugen.

3. Näher dran!

Wahrscheinlich wurde schon über jeden Ort auf der Welt was geschrieben. Trotzdem bistdu an unpopulären Reisezielen eher gezwungen, dich an die Anwohner zu wenden, um Busverbindungen, Übernachtungsmöglichkeiten oder Restaurants zu finden. Über Kurz oder Lang kommst du so eher mit ihnen in Kontakt.

Hier entsteht schnell das Märchen der “authentischen” Reise. Die Reiseerfahrung wird aufgewertet, wenn der Ort möglichst abgelegen, die Lebensweise möglichst einfach und die Kultur möglichst exotisch ist. Dabei steht “authentisch” gerne auch für “arm, zurückgeblieben, extrem anders und einfach nicht so entwickelt wie mein eigenes Herkunftsland”. Diese Ansicht basiert auf unserem kolonialem Erbe und rassistischen Ideen.

Das eine Land ist nicht besser als das andere. Und die touristische Großstadtmeile ist nicht weniger Teil der Realität vor Ort als das abgelegene Dorf.

Trotzdem: Wer respektvoll und achtsam an unbekannte Ziele reist, bekommt einen ganz anderen Einblick in den Alltag vor Ort.

4. Eindrücklicher!

Unbekannte Reiseziele haben ihre Eigenheiten. Sie sind unerklärlich und verwirrend. Du kannst nicht eben mal googlen oder nachlesen, wie das Leben als Besucher dort funktioniert. Du kannst dich schlecht vorbereiten, weil es kaum ausdruckbare Packlisten, vorgeschlagene Routen und hilfreiches Vokabular gibt. Du musst es selbst herausfinden.

Das Essen wird ganz anders sein, und deinen gelüsten nach einem veganen Smoothie oder einem Fast-Food-Burger wird kaum jemand nachkommen können. Es gibt keine Vertretungen der gängigen Mode- und Hotelketten. Du darfst dich selbst orientieren und eine Lebensart kennenlernen, die neben deiner eigenen genau so existiert und funktioniert.

Wie finde ich nun diese unbekannten Reiseziele?

1. Beginne bei deinen Erwartungen.

Wie eigentlich immer auf dieser Webseite wirst du auch jetzt wieder den Hinweis lesen, dass du unbedingt bei dir selbst und deinen Erwartungen anfangen musst.

In Paris stieg ich einfach mit einem Tagesticket in den Bus und da wieder aus, wo es nett aussah. Ich hatte keinerlei Erwartungen und fand ein paar sehr schöne Ecken.

In Riga und Tallinn habe ich das nicht geschafft und klapperte die vorgegebenen Routen ab.

Was möchtest du sehen und erleben? Und woher kommen diese Erwartungen? Die Bilder, die du aus dem Internet kennst, hat jemand gemacht, der schon dort war. Wenn du also auch ein Foto von einer Felsformation oder einer Häuserreihe schießen möchtest, das es schon tausendfach auf Instagram gibt, musst du zwangsläufig an ein bekanntes, populäres Reiseziel.

Unbekannte Reiseziele bieten keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne und keine berühmten Aussichten. Erforsche also deine Erwartungen und was ihnen zugrunde liegt.

Wenn du kannst, lass sie wie alles andere unnötige Gepäck auch zu Hause.

2. Unbekannte Reiseziele in deiner Nähe.

Du kannst das Loslassen von Erwartungen trainieren, indem du vor deiner Haustür beginnst.

Jeder Schritt ist eine Reise!

Besuche das unspektakulärste Viertel deiner Stadt, oder den Stadtrand, oder das “Ghetto”.

Welche Ziele in Deutschland kennst du?

Eine Bekannte sagte mal zu mir:

“Nächste Woche komme ich nicht. Da habe ich Geburtstag und fahre nach Bamberg. Ja, so gucken alle, wenn sie das hören. Ich war dort noch nicht und dachte, ich schau mir die Stadt mal an.”

Kennst du Bamberg? Oder Stoffenried? Warum nicht mal dahin fahren und so richtig auf unbekannten Pfaden mit den Locals in Kontakt kommen?

3. “Unbekannte” Länder.

Georgien? Aserbaidschan? Liechtenstein? Bahrain? Sagt mir nix.

Das ist die beste Voraussetzung für ein unpopuläres Reiseziel. Und du wirst erstaunt sein, wie viele vor dir doch schon hingereist sind und darüber geschrieben haben. Warum muss es Island, Portugal oder Thailand sein? Schau dir den Globus an. Welche Ecke sieht am uninteressantesten aus? Buche deinen Flug dorthin und gib ihr eine Chance!

4. Alternativen zu den Hotspots.

Statt Vilnius in Litauen empfehle ich dir Kaunas. Statt Berlin lege ich dir Leipzig ans Herz. In Schweden ist Stockholm zwar schön, aber Örebro wunderbar unspektakulär.

Generell sind die zweit- oder drittgrößten Städte immer eine sehr unterschätzte und dadurch weniger überlaufene Alternative.

Malaysia ist das andere Thailand. Brüssel ist das kleine Paris. Statt Jetsetten in Dubai, warum nicht Zelten im Oman?

5. Länger bleiben und mitleben.

Wie wäre es mit WWOOF? Damit kommst du weltweit auf Biohöfen unter und bekommst für deine Mitarbeit Kost und Logis. Du bist also höchstwahrscheinlich irgendwo auf dem Land, wo die Anwohner ihr Gemüse kaufen. Wie unbekannt kann dein Reiseziel noch werden?

Oder übernachte bei Couchsurfern, die etwas abgelegen wohnen.

Ich habe damals eine Matratze in meinem Elternhaus in der bayerischen Pampa angeboten und es kamen unter anderem vorbei: Ein Walise, der mit dem Fahrrad von Wales nach China radelte und ein polnisches Pärchen mit kleiner Tochter auf dem Weg nach Spanien, die ihren Wohnwagen vor unserem Haus abstellten. Natürlich bekamen alle eine halbstündige Führung durch das gesamte Kaff, inklusive Pferdekoppel. Geht es noch unspektakulärer?

Eine weitere Möglichkeit ist zum Beispiel Freiwilligendienst. Hauptsache du bist etwas ab vom Schuss, bringst genügend Zeit mit und kommst in möglichst engen Kontakt mit den Anwohnern, die dir weitere unerwartete Ecken zeigen können.

Abgelegene Reiseziele in Stadt, Land und Natur

Egal, ob du auf der Suche nach unbekannten Ecken einer Stadt oder dem ultimativen abgelegenen Naturpfad bist – es gibt für jede Reisevorliebe das passende Ziel.

Nutze Google Maps oder eine andere Karte und begib dich in die Randbezirke der Stadt, in unspektakuläre Wohngebiete.

Oder du zoomst in die grünen Wald-und-Wiesen-Flächen hinein. Da wo nichts ist, da gehst du hin. Das hat bei mir in Litauen beides wunderbar geklappt. Das funktioniert auch, wenn du ein ganzes Land bereisen möchtest.

Nutze öffentliche Verkehrsmittel. In Überlandbussen durchquerst du schon automatisch eine Menge Gegend.

Besorge dir eine Übersichtskarte für Touristen – und geh dann dorthin, wo nichts eingezeichnet ist.

Welches unbekannte Reiseziel hast du schon entdeckt und wie? Reizt dich diese Art zu reisen oder hättest du Angst, etwas zu verpassen? Sag mir unten in den Kommentaren Bescheid!

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