arbeitslos

Ich bekomme Arbeitslosengeld. So finanziere ich meine Reisen.

In diesem Artikel mache ich mich angreifbar. Arbeitslos zu sein und Sozialhilfe zu bekommen ist mir nämlich ziemlich peinlich. Ich habe oft das Gefühl, auf Kosten anderer zu leben und mich rechtfertigen zu müssen. Wer Arbeitslosengeld bekommt, wird oft abgestempelt als faul, unverantwortlich, ungebildet und assozial.

Ich erzähle nicht gerne, dass ich arbeitslos bin.

Ich erzähle viel lieber von meiner Selbstständigkeit mit dieser Webseite, denn ich brenne für sie und arbeite täglich daran wie an einem “richtigen” Job. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich mein Geld eben (noch) wonaders her bekomme.

Oder ich erzähle, ich sei in Elternzeit. Das bin ich auch offiziell. Und jeder glaubt mir das, weil mindestens eines meiner Kinder meistens irgendwo in meiner Nähe ist.

Warum erzähle ich dann hier, im Internet, groß und breit, von meiner Arbeitslosigkeit?

Mit diesem Artikel geht es mir gar nicht so sehr um meine Situation. Sie ist nur ein Beispiel dafür, wie man auch mit wenig Geld reisen kann.

Ich erzähle von meiner Arbeitslosigkeit, weil ich einmal klarstellen möchte, dass sie mich nicht definiert. Mein Kontostand sagt nichts darüber aus, wer ich bin. Die Höhe eines Gehaltes ist heutzutage leider oft weit entfernt von den Tätigkeiten und Umständen, mit denen es verdient wird.

Arbeitslos zu sein nagt jedenfalls an meinem Selbstwertgefühl. Aber einfach den nächstbesten Job anzunehmen ist für mich auch keine Option. Das wiederum lässt sich oft schlecht erklären. Warum organisiere ich mich nicht einfach um und verdiene endlich ordentlich Geld, wie jede*r andere auch?

Auch auf die Gefahr hin, dass es sich überheblich oder unrealistisch anhört: Ich möchte nicht einfach irgend einen Job annehmen. Ich weiß, wie ich leben möchte, und in diesen Lebensentwurf passt keine Zeitarbeit und keine Festanstellung.

Ich möchte mein eigener Chef sein und ich bin hier, um mit Mind Set Travel das Reisen zu revolutionieren.

Dieser Artikel geht mir nicht so einfach von der Hand wie andere, aber er bringt mich genau dahin, wo ich sein will: an einen Punkt zwischen ängstlicher Aufgeregtheit und passionierter Kreativität. So fühle ich mich lebendig und gebraucht. Ich habe eine Botschaft und die verbreite ich hier. Auch wenn das im Moment noch kein Geld einbringt. Ich habe noch nicht den Job gefunden, der das mit mir macht. Obwohl ich lange gesucht habe.

Doch anstatt weiterzusuchen verbringe ich meine Zeit lieber mit Dingen, die mich glücklich machen, die mich erfüllen, die zu meinem Lebensentwurf passen und die auf lange Sicht gesehen sehr wohl ein regelmäßiges Einkommen generieren können.

Jetzt ist es aber genug mit der langen Rede und der Rechtfertigung. Eigentlich wollte ich doch was ganz anderes erklären:

Wie ich trotz oder mit Arbeitslosengeld reise.

Ganz einfach: Ich priorisiere das Reisen. Ich lasse mir nicht einreden, dass es unmöglich ist. Ich ignoriere schlichtweg, dass sogenannte “Hartzer” keine Weltreise unternehmen “können”. Und mache es trotzdem.

Es ist wirklich eine mentale Frage.

Es geht darum, meine Glaubenssätze zu hinterfragen, zu durchbrechen und durch andere zu ersetzen. Das klingt ganz schön esoterisch und das ist es auch, aber es funktioniert. Und es kann auch bei dir funktionieren.

Hier ein Beispiel:

Du würdest zum Beispiel gerne reisen, aber du tust es nicht, denn zum Reisen braucht man viel Geld und viel Zeit und beides hast du nicht. Klar, du hast einen Job, eine Familie, Freunde, ein Haustier, ein Auto abzubezahlen – du denkst, es wäre viel zu kompliziert oder vielleicht sogar unmöglich, dich auf eine längere Reise zu begeben. “Ich kann nicht reisen, denn ich habe nicht das Geld und die Zeit dafür.”

Lass mich dir eine ganz einfache Frage stellen: Warum nicht?

Warum hast du nicht die Zeit dazu? Kannst du dir deinen Urlaub nicht anders einteilen? Kannst du Verpflichtungen anders organisieren, sodass du eine längere Weile verreisen könntest?

Glaubst du denn, dass “irgendwann” schon der richtige Zeitpunkt kommt? (Da muss ich dich leider gleich enttäuschen: Der kommt nicht! Irgendwas ist immer!) Willst du wirklich warten bis zur Rente? Was wäre das größte anzunehmende Unglück, das geschehen könnte, wenn du einen Monat weg wärst?

Oder muss es denn gleich ein halbes Jahr, ein Monat sein? Wie wäre es mit einem Wochenendausflug? Einem einwöchigen Kurztrip?

Spiele mal deine Möglichkeiten durch. Hinterfrage diese Annahme, du hättest keine Zeit zum Reisen. Dehne deine gedankliche Komfortzone aus.

Dann stößt du sicher bald auf den zweiten Glaubenssatz: Reisen ist teuer und ich habe nicht das Geld dazu.

Warum hast du nicht das Geld?

Könntest du mehr oder woanders arbeiten? (Das sagt die Richtige, haha!) Könntest du irgendwo sparen? Könntest du was verkaufen? Könntest du im Alltag weniger ausgeben und es für eine Reise auf die Seite legen? Könntest du dich nach günstigen oder kostenlosen Möglichkeiten für eine Reise umsehen?

So mache ich das mit dem Geld

Separates Konto

Ich habe ein separates Reisekonto angelegt. Immer, wenn etwas auf mein Konto eingezahlt wird, sei es Arbeitslosengeld oder etwas anderes, dann landen 10% davon automatisch auf dem Reisekonto. Da komme ich nicht so leicht dran, und das steht mir dann einfach nicht für andere Dinge zur Verfügung.

Sparsames Leben

Außerdem würde ich behaupten, dass ich ein recht frugales und trotzdem erfülltes Leben führe: Ich kaufe keine Bücher, sondern beziehe sie aus der Bücherei. Ich habe kein Auto. Ich gehe oft zum Foodsharing und nehme dort kostenlos gute Lebensmittel mit, die sonst auf dem Müll landen würden. Ich organisiere mir einen Teil der Kinderbetreuung mit Nachbarinnen und passe im Gegenzug auf deren Kinder auf. Ich kaufe fast nur gebrauchte Dinge, wenn überhaupt. Ich beteilige mich an einem kostenlosen Gemeinschaftsgarten, statt einen zu mieten. Wir gehen so gut wie nie aus, sondern kochen und essen immer zu Hause.

Natürlich gibt es auch “Luxus” in meinem Leben: eine wöchentliche Biokiste, ein (gebrauchtes) Ebike, eine große Altbauwohnung, und eben das Reisen. Aber auch hier priorisiere ich. Weil ich mit meiner Familie ein ganz großes Reiseprojekt in Angriff nehme (wovon ich dir bald mehr erzählen werde), begrenzen wir unser Reisen derzeit wirklich auf die allernötigsten Ausflüge. Das sind dieses Jahr drei Zugreisen zu Freunden und ein Leihauto für ein Wochenende bei meiner Oma.

Geld leihen und schenken lassen

Für unsere Reisen nach Indien und Japan habe ich jeweils ein Crowdfunding gestartet. Statt Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke wünsche ich mir lieber finanzielle Unterstützung für unsere Reisen. Und ich habe mir von Familienmitgliedern Geld geliehen, um den ersten Schwung an Fügen und Unterkünften bezahlen zu können.

Günstig reisen

Wenn ich reise, sehe ich mich nach günstigen Unterkünften um. Das war zum Beispiel das Haus des katholischen Missionsoberhauptes in Bangalore, Indien. Und natürlich die Familie in Kenia.

Ich halte die Ausgaben vor Ort gering, indem ich langsam und achtsam reise. Ich bin viel zu Fuß unterwegs und gebe mich auch mit Spielplatzbesuchen in Tokio zufrieden.

So habe ich in meiner Zeit der Arbeitslosigkeit Reisen nach Indien, Litauen, Tokio und Kenia unternehmen können.

Ich möchte dir damit zeigen, dass es möglich ist. Wenn ich es schaffe zu reisen, dann schaffst du das auch. Es beginnt im Kopf!

Darf ich dir helfen?

Heute startet die Reisespar-Challenge. So bauen wir uns in fünf Tagen ein Fundament, mit dem du deine nächste Traumreise finanzieren kannst. Bist du dabei?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.